Je länger das Cholesterin erhöht ist, desto höher ist das kardiovaskuläre Risiko

  • The Lancet

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Nicht-HDL-Cholesterin ist eng mit dem langfristigen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden. Dieser Zusammenhang wird mit zunehmender Dauer stärker. Um so früher eine lipidsenkende Tharpie begonnen wird, desto größer ist möglicherweise der Nutzen. Für eine effiziente kardiovaskuläre Prävention könnte es demnach sinnvoll sein, bereits in relativ jungen Jahren die Lipid-Werte zu kontrollieren. 

Hintergrund

Das Nicht-HDL-Cholesterin (N-HDL-C) umfasst alle Apoprotein-B-haltigen Lipoproteine. Die Bedeutung der Serum-Spiegel für die langfristige Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse ist unklar, ebenso die Relevanz lipidsenkender Maßnahmen für das langfristige Risiko.

Design

Ausgewertet wurden Daten von  398 846 im Mittel 51 Jahre alten Personen aus Europa, Australien und den USA; knapp 49 Prozent von ihnen waren Frauen. Berechnet wurde der Zusammenhang zwischen dem kardiovaskulären Endpunkt aus einem koronaren Ereignis und/oder ischämischem Schlaganfall. Die Beobachtungsdauer betrug maximal fast 44 Jahre (Median 13,5 Jahre).

Hauptergebnisse 

  • In der Beobachtungszeit traten 54.542 kardiovaskuläre Endpunkt-Ereignisse auf.
  • Die 30-Jahres-Ereignis-Rate stieg mit zunehmenden Werten des N-HDL-C, und zwar bei Frauen von 7,7 Prozent bei einem N-HDL-C von unter 2,6 mmol/l auf 33,7 Prozent bei einer Konzentration von 5,7 mmol/l und darüber. Bei Männern betrugen die Werte 12,8 und 43,6 Prozent.
  • Risiko-Berechnungen ergaben - ausgehend von einem N-HDL-C von unter 2,6 mmol/l als Referenzwert - bei Frauen eine Hazard Ratio von 1,1 (95% CI 1,0–1,3 ) bei einem N-HDL-C von 2,6  bis Bei Männern betrugen die HR-Werte 1,1 (1,0–1,3) und 2,3 (2,0–2,5). 
  • Der steilste Anstieg des Risikos wurde bei Personen  festgestellt, die zu Beginn der Studie unter 45 Jahren alt waren: So betrug bei Frauen mit einem N-HDL-C von mindesten 5,7 mmol/l die HR 4,3; bei Männern ergab sich eine HR von 4,6 (in Relation zum Referenz-Wert von unter 2,6).
  • Für die älteren, mindestens 60-jährigen Personen ergaben die Berechnungen zwar auch ein erhöhtes Risiko, mit 1,4 (Frauen) und 1,8 (Männer) war es in dieser Altersgruppe jedoch deutlich geringer als bei den unter 45-Jährigen.
  • Weitere Modellrechnungen ergaben, dass eine 50-prozentige Reduktion des Nicht-HDL-Cholesterins mit einem  verminderten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen in einem Alter von 75 einhergeht. Diese Risiko-Reduktion war umso größer, je früher die Cholesterin-Spiegel gesenkt wurden.

Klinische Bedeutung

Eine mögliche Schlussfolgerung lautet, dass es sinnvoll sein könnte, die Cholesterin-Spiegel bereits früher im Leben zu bestimmen als bislang üblich. Die Überlegung dahinter: Je früher erhöhte Werte erkannt werden, desto größer sind die Chancen, Schäden zu verhindern oder zu mindern. Zu den wichtigen Fragen, die noch zu beantworten ist, zählt zum Beispiel die, ob eine frühe lipidsenkende Therapie bei jungen Menschen mit hohem Langzeit-Risiko (Lebenszeit-Risiko), aber geringem 10-Jahres-Risiko sinnvoller ist als eine späte Intervention. 

Finanzierung: EU, UK Medical Research Council, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung