JAMA-Studie findet Zusammenhang zwischen Valproat in der Schwangerschaft und ADHS


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Einnahme von Valproat während der Schwangerschaft ist für die Nachkommen mit einem erhöhten Risiko verbunden, an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu erkranken. Keine Assoziation bestand dagegen bei der Exposition von anderen Antiepileptika im Mutterleib und ADHS. Zu diesem Ergebnis kommt eine dänische Studie, die jüngst im Fachjournal JAMA Network Open publiziert wurde.

Hintergrund

Valproat ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Epilepsie und vielen anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Die Verwendung in der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für angeborene Fehlbildungen und einer ungünstigen neuronalen Entwicklung bei den Nachkommen verbunden. Möglicherweise ist sie auch mit einem erhöhten Risiko für Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) behaftet. Bislang liegen allerdings nur wenige Studien vor, räumten die Autoren der Studie ein.

Design

Die bevölkerungsbezogene Kohortenstudie umfasste insgesamt 913 302 Kinder (keine Mehrlinge) im durchschnittlichen Alter von knapp zehn Jahren, die zwischen 1997 und 2011 geborenen wurden. Nach Informationen der dänischen „National Prescription Registry“ hatten 580 Mütter der untersuchten Kinder während ihrer Schwangerschaft ein Rezept für Valproat eingelöst.

Ergebnisse
Von den 580 Kindern, deren Mütter Valproat während der Schwangerschaft eingenommen hatten, waren 49 (8,4%) an ADHS erkrankt. Dagegen wurde von den 912 722 Kindern der Vergleichsgruppe, die nicht im Mutterleib Valproat ausgesetzt waren, nur bei 3,2% ADHS diagnostiziert. Danach hatten Kinder mit pränataler Valproatexposition ein um 48% erhöhtes Risiko für ADHS (adjustierte Hazard Ratio, 1,48; 95% CI, 1,09-2,00) im Vergleich zu Kindern ohne Valproatexposition. Das absolute Risiko, innerhalb von 15 Jahren an ADHS zu erkranken, lag bei Kindern, die nicht Valproat ausgesetzt waren, bei 4,6 Prozent, während es bei den Kindern unter Valproat-Einnahme der Mütter während der Schwangerschaft bei 11,0 Prozent lag. Die dänischen Wissenschaftler fanden jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Exposition anderer Antiepileptika im Mutterleib und ADHS.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der dänischen Forscher um Dr. Jakob Christensen von der Universität Aarhus haben wichtige Auswirkungen auf die Beratung von Frauen im gebärfähigen Alter, lautet das Fazit der Studie. Auf mögliche Risiken bei der Einnahme von Valproat bei Kinderwunsch bzw. während der Schwangerschaft sollte daher unbedingt hingewiesen werden, so die Wissenschaftler.

Finanzierung: u.a. EU, National Institutes of Health, mehrere Stiftungen