Jährlich fast 30 Millionen Kaiserschnitte weltweit bedeuten eine Verdoppelung in 15 Jahren


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Rate an Kaiserschnitten hat sich weltweit zwischen dem Jahr 2000 und 2015 fast verdoppelt. In manchen Ländern liegt sie bereits über 50 %. Nicht selten gilt der Kaiserschnitt nun offenbar als Statussymbol.

Hintergrund

Fast 2000 Jahre lang wurde ein Kaiserschnitt nur durchgeführt, wenn für Mutter und / oder Kind Gefahr im Verzug war. Die WHO sieht eine medizinische Indikation jedoch nur in 10 – 15 Prozent aller Fälle, sodass ein Großteil der überzähligen Prozeduren offenbar medizinisch überflüssig ist.

Design

Auswertung der jeweils jüngsten verfügbaren Daten aus 169 Ländern zur Häufigkeit bzw. Anteil von Kaiserschnitten bei Geburten.

Hauptergebnisse

  • Aus der Datenbasis, die 98,4 % aller Geburten weltweit abdeckt, schätzen die Autoren, dass im Jahr 2015 fast 30 Millionen (29,7) Kaiserschnitte durchgeführt wurden.
  • Damit hat sich die Zahl der Schnittentbindungen gegenüber dem Jahr 2000 (16 Millionen) beinahe verdoppelt.
  • Die Häufigkeit der Anwendung dieser Methode ist regional stark unterschiedlich: In Lateinamerika und der Karibik kam sie bei 44,3 % aller Geburten zum Einsatz;  sie war damit mehr als zehn Mal so häufig wie in West- und Zentralafrika (4,1 %).
  • Getrieben wurde die Zunahme zu 66,5 % durch einen wachsenden Anteil an Geburten in Gesundheitseinrichtungen,und zu 33,5 % durch einen zunehmenden Anteil von Kaiserschnitten in diesen Einrichtungen. In privaten Einrichtungen waren Schnittgeburten 1,6 Mal häufiger, als in öffentlichen Einrichtungen.
  • Am niedrigsten war die Rate an Kaiserschnitten mit 0,6 % in Südsudan, am höchsten mit 58,1 % in der Dominikanischen Republik. In Westeuropa lag sie bei 26,9.
  • Frauen in den reichsten Ländern hatten gegenüber denjenigen im ärmsten Quintil von Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen eine 5 Mal so hohe Rate an Kaiserschnitten.

Klinische Bedeutung

Zwar lässt sich die steigende Verfügbarkeit von Kliniken, die einen Kaiserschnitt durchführen können, auch als Anzeichen für eine verbesserte gesundheitliche Versorgung interpretieren. Allerdings berichten die Forscher auch über deutlich erhöhte Kaiserschnittraten bei Geburten mit niedrigem Risiko. Dieser Trend war besonders bei gebildeten Frauen, beispielsweise in China und Brasilien, zu beobachten und lässt befürchten, dass ein Kaiserschnitt mancherorts zum Statussymbol geworden ist. Die Internationale Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) spricht in einem begleitenden Positionspapier denn auch von einer „Kaiserschnitt-Epidemie“ und appelliert an Regierungen, Versicherungen und Frauengruppen, unnötige Schnittgeburten zu stoppen.

Finanzierung: Bill & Melinda Gates Foundation.