Ist Süßstoff gesünder als Zucker? Offenbar nicht!

  • BMJ

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Süßstoffe wie Aspartam, Cyclamat oder Stevia sind nicht gesünder als Zucker. Das zeigt eine Metanalyse von insgesamt 56 Studien, in denen der Konsum von NSS (non-sugar sweeteners) und Zucker unter anderem hinsichtlich BMI, Blutzuckerwerte, Mundgesundheit, Essverhalten, Krebs und Herzkrankheiten verglichen wurde.

Hintergrund

Das wachsende Gesundheitsbewusstsein hat viele Menschen dazu bewegt, Zucker durch Süßstoffe (NSS) zu ersetzen. Lebensmittel, die NSS anstelle von einfachen Zuckern (Monosacchariden und Disacchariden) enthalten, werden immer häufiger konsumiert. Doch hinsichtlich des gesundheitlichen Nutzens oder Schadens von Süßstoffen ist bislang nur wenig bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb ein internationales Forscherteam beauftragt, den aktuellen Wissensstand zu Süßstoffen zusammenzutragen.

Studiendesign

Ein Forscherteam um Ingrid Toews vom Institut für Evidenz in der Medizin in Freiburg analysierte alle Studien, in denen der Konsum von Süßstoffen und Zucker hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen verglichen wurde. In den insgesamt 56 per Literaturrecherche ermittelten Untersuchungen ging es unter anderem um die Outcomes Körpergewicht, Zahngesundheit, Essverhalten, Diabetes, Krebs, Herz-/Kreislauf- sowie Nierenkrankheiten. In die Metaanalyse flossen sowohl randomisierte klinische Untersuchungen als auch Beobachtungsstudien ein, in denen Teilnehmer lediglich zu ihrem Ernährungsverhalten befragt und Gesundheitsdaten über Jahre dokumentiert wurden.

Wichtigste Ergebnisse

Die Metaanalyse erbrachte keine statistisch relevanten Belege für die gesundheitlichen Vorteile von Süßstoffen gegenüber Zucker und potenzielle gesundheitliche Risiken durch NSS konnten nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt betrachtet erscheinen die Studienergebnisse widersprüchlich: Einige Untersuchungen belegen einen positiven Effekt von Süßstoffkonsum auf das Risiko für Typ-2-Diabetes, Übergewicht und Fettleibigkeit; andere Studien deuten darauf hin, dass die NSS-Verwendung das Risiko für Diabetes, Übergewicht und Krebs erhöhen könnte. Es gibt folglich keine belastbaren Anzeichen dafür, dass es sich positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn man Zucker durch Süßstoffe ersetzt. Auch die gängige Meinung, dass Süßstoffe den Appetit auf Süßes fördern und so möglicherweise spätere Heißhungerattacken auslösen, ist nicht evident.

Klinische Bedeutung

Weder ein Nutzen noch ein möglicher Schaden durch Süßstoffe lässt sich belegen, fasst das Forscherteam um Ingrid Toews zusammen. Da es eine ganze Reihe von Süßstoffen gibt, sei auch anzunehmen, dass manche gesünder sind als andere. Um diese Fragen mit Sicherheit zu beantworten, benötige man Studien, die Teilnehmer über einen längeren Zeitraum begleiten, als es bislang geschehen ist.