Ischämische Fernkonditionierung beim Schlaganfall bleibt in Machbarkeitsstudie wirkungslos

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Konzept der ischämischen Fernkonditionierung, das in präklinischen Studien bei Schlaganfall-Modellen aussichtsreich erschien, hat in einer französischen Studie mit 188 Patienten keine signifikante Reduktion des Infarktvolumens bewirkt. Auch die Behinderungen und die 90-Tagesmortalität verringerten sich nicht.

Hintergrund

Trotz erheblicher Fortschritte bei der Reperfusion nach einem Schlaganfall behalten noch immer mehr als die Hälfte der Patienten 3 Monate nach dem Ereignis Behinderungen zurück. Die Autoren der aktuellen Studie halten vor diesem Hintergrund die ischämische Konditionierung für einen vielversprechenden Ansatz zur Neuroprotektion – eine Therapie, bei der eine transiente Ischämie ohne Nekrose direkt am betroffenen Organ appliziert wird oder - wie in dieser Studie - indirekt mit einer aufblasbaren Manschette, die während des Ischämischen Ereignisses an einer der Extremitäten angebracht wird.

Design

Multizentrische, prospektive, randomisierte, offene Machbarkeitsstudie mit 188 Patienten aus 11 französischen Schlaganfallzentren. Bei ihnen war binnen 6 Stunden nach Beginn der Symptome in der Magnetresonanz-Bildgebung ein ischämischer, von der Karotis-Arterie ausgehender Schlaganfall bestätigt worden. Die Randomisierung erfolgte auf ischämische Fernkonditionierung am Oberschenkel (4 Zyklen von je 5 Minuten mit aufgeblasener und geöffneter Manschette) plus Standardbehandlung, oder alleinige Standardbehandlung (Kontrolle). Gemessen wurde die Veränderung beim Infarktvolumen über die ersten 24 Stunden anhand einer Serie von diffusionsgewichteten Magnetresonanzaufnahmen.

Ergebnisse

  • Die Patienten waren im Durchschnitt 67,2 Jahre alt, das Geschlechterverhältnis ausgewogen. Bei Einlieferung in die Klinik hatte der mediane Wert auf der Schlaganfallskala der National Institutes of Health 10 betragen und das mediane Infarktvolumen 11,4 cm3. Die Mehrheit - 87 % - der Patienten erhielt eine intravenöse Thrombolyse; bei 34 % wurde eine mechanische Thrombektomie vorgenommen.
  • Die Zunahme des Infarktvolumens betrug in der Interventionsgruppe median 0,30 cm3 gegenüber 0,37 cm3 in der Kontrollgruppe. Die gemittelte Differenz zwischen den Gruppen betrug somit -0,07 und war mit einem 95%-Konfidenzintervall von -0,33 bis 0,18 statistisch nicht signifikant.
  • Ein exzellentes Ergebnis – definiert als ein Wert von 0 – 1 auf der Rankin-Skala – erreichten 51,1 % der Patienten nach ischämischer Fernkonditionierung gegenüber 40,7 % in der Kontrollgruppe. Auch dies war nicht signifikant (P = 0,12).
  • Die Sterblichkeit über 90 Tage betrug 15,8 % nach Fernkonditionierung und 10,4 % in der Kontrollgruppe (nicht signifikant, P = 0,45), der Anteil intrazerebraler Blutungen in beiden Gruppen 4,5 %.

Bedeutung

Leider ohne Wirkung blieb die ischämische Fernkonditionierung in dieser Studie. Dabei machte es auch keinen Unterschied, ob die Maßnahme während oder nach der Reperfusionstherapie angewandt wurde. Einmal mehr haben sich Hoffnungen, die durch präklinische Untersuchungen geweckt wurden, nicht bestätigt.

Finanzierung: Französisches Gesundheitsministerium.