Interventionsprogramm zur Förderung des Stillens senkt Asthmarate nicht


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein Interventionsprogramm zur Förderung des Stillens zeigt nur bescheidenen Erfolg: Nach 16 Jahren ist zwar die Häufigkeit von Neurodermitis reduziert. Auf Asthma und die Lungenfunktion schien die Maßnahme jedoch keinen Einfluss zu haben.

Hauptergebnisse

  • Beim jüngsten Follow-Up konnten 13557 Teilnehmer (79,5%) der ursprünglichen Studie im durchschnittlichen Alter von 16,2 Jahren ausgewertet werden.
  • In der Interventionsgruppe hatten 0,3 % ein Beugenekzem, in der Kontrollgruppe 0,7 %. Daraus leitet sich ab ein um 54 % vermindertes Risiko für ein Beugenekzem.
  • Der Z-Wert für die auf die forcierte Vitalkapazität bezogene Einsekundenkapazität (FEV1/FVC) war in der Interventionsgruppe im Mittel -0,10 gegenüber +0,35 bei der Kontrollgruppe – allerdings war diese Differenz nicht signifikant.
  • Das aus Selbstberichten ermittelte Quotenverhältnis für Asthma betrug 0,76 zugunsten der Interventionsgruppe und für pfeifende Atemgeräusche (wheezing) 0,66, jedoch waren die 95%-Konfidenzintervalle sehr breit und schlossen die Null mit ein.

Design

  • Jeweils 34 Entbindungsheime und damit assoziierte Polykliniken wurden in den Jahren 1996 und 1997 rekrutiert und den dortigen klinischen Leitern, Hebammen, Schwestern und Ärzten Methoden zur Förderung des Stillens beigebracht oder nicht.
  • Mutter-Kinder-Paare wurden ursprünglich 12 Monate lang nachverfolgt und die Kinder körperlich auf Neurodermitis untersucht. Im Alter von 6,5 Jahren folgte eine weitere Untersuchung bezüglich Asthma und Allergien (Fragebogen der International Study for Asthma and Allergies und Prick-Test). Der letzte Follow-Up fand nach 16 Jahren statt, war der Fokus der aktuellen Studie und beinhaltete neben Asthma und Neurodermitis zusätzlich die Lungenfunktion.
  • Finanzierung: Europäische Union, Canadian Institutes of Health research, US National Instututes of Health u.a.

Klinische Bedeutung

Neurodermitis und Asthma sind die beiden häufigsten chronischen Kinderkrankheiten. Die Studienlage zur Frage, ob sie seltener sind bei Kindern, die als Säuglinge gestillt wurden, ist zwar widersprüchlich. Fachgesellschaften und internationale Vereinigungen wie die Weltgesundheitsorganisation empfehlen es dennoch. Da eine randomisierte Studie aus ethischen Gründen kaum praktikabel wäre, hat man hier bezüglich der Fördermaßnahmen randomisiert. Die in Weißrussland erzielten Ergebnisse waren indes lediglich für das Beugenekzem bei der Interventionsgruppe signifikant. Für das Stillen gibt es weiterhin gute Argumente, diese Studie zeigte aber keinen Effekt auf die Prävention des Asthmas.