Internationale Leitlinien zur Osteoporose-Therapie berücksichtigen zu wenig den Patienten


  • Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

In einer retrospektiven Analyse wurde untersucht, wie die Überzeugungen, Werte und Präferenzen der Patienten in die internationalen Leitlinien für Osteoporose aufgenommen und konzeptualisiert wurden. In den meisten Leitlinien wurde auf den Bezug zum Patienten verzichtet. In den Fällen, in denen ein Bezug zum Patienten hergestellt wurde, gingen die Leitlinien primär auf die Medikamentenpräferenzen der Patienten ein. Die Bezugnahme der Behandlungsrichtlinien auf die Patienten durch qualitative Daten muss in der Zukunft ausgebaut werden um die Arzt-Patientenbindung zu fördern.

Die Internationalen Richtlinien zur Behandlung von Osteoporose

Leitlinien zur Behandlung von Osteoporose sollen Ärzten im Gesundheitswesen helfen, die bestmöglichen Ergebnisse für ihre Patienten zu erzielen, indem sie evidenzbasierte Empfehlungen für die Pflege skizzieren. 
In einer Überprüfung von 70 englischsprachigen Richtlinien zur Behandlung von Osteoporose wurde nun bekannt, dass die Stimmen der Patienten allzu oft ignoriert werden. Die Überprüfung umfasste unter anderem Länder wie Australien, Kanada, Deutschland, Indien, Italien, Schottland, Südafrika, Spanien, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika.
In weniger als 40 % der Richtlinien wurden die Überzeugungen, Werte oder Präferenzen der Patienten überhaupt erwähnt.

Kritik an den Richtlinien

In den Richtlinien, in denen der Bezug zum Patienten hergestellt wurde, wurden zwar die Überlegungen der Patienten als wichtig erachtet, deren Aussagen jedoch normalerweise nicht durch Beweise gestützt.

In der Studie, die nun in der Fachzeitschrift Osteoporosis International veröffentlicht wurde, weisen Wissenschaftler darauf hin, dass - im Vergleich - Bezugnahmen auf Präferenzen der Patienten viel häufiger als Werte und Überzeugungen in die Leitlinien einfließen, da sie leichter zu formulieren wären.

Zumeist wurde die Präferenz der Patienten für ein bestimmtes Medikament dokumentiert, sagte Dr. Joanna Sale, klinische Epidemiologin und Wissenschaftlerin am Li Ka Shing Knowledge Institute des St. Michael's Hospital in Toronto.

Dr. Sale sieht dabei einen gesteigerten Zusammenhang zwischen der Wahl der Medikamente und der Agenda der Pharmaunternhemen und/oder der finanziellen Zwänge des Gesundheitssystems.

"Dabei scheint  zu oft die Wahl der Medikamente nicht die Präferenz der Osteoporose-Patienten wiederzugeben.", sagte er Dr. Sale.

Verbesserung der Richtlinien durch qualitative Patientendaten

Patienten, die ihre Belange in den Richtlinien und den Empfehlungen ihrer Ärzte nicht widergespiegelt sehen, folgen den Empfehlungen zur Unterstützung der Knochengesundheit seltener über einen langen Zeitraum.

So plädieren die Forscher dafür, dass qualitative Daten zum Thema Überzeugung, Werte und Präferenzen der Patienten zukünftig ein fester und grundlegender Bestandteil der internationalen Osteoporose Richtlinien werden.

Finanzierung: Canadian Institutes of Health Research