Intensive Nutzung digitaler Medien bei Schülern korreliert mit späteren ADHS-Symptomen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Schüler, die nach eigener Auskunft digitale Medien besonders intensiv nutzten, hatten in der Selbstwertung zwei Jahre später eine etwa doppelt so hohe Rate von Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Vergleich zu Schülern, die nicht mehrmals täglich aktiv waren.

Hintergrund

Die intensive Beschäftigung Jugendlicher mit neuen, digitalen Medien stellt nach Ansicht mancher Experten eine Bedrohung für deren kognitive Entwicklung dar. Kompliziert werden Analysen jedoch dadurch, dass die Art der benutzten Medien und Geräte sich schnell verändert: von stationären TV-Geräten, Spielsoftware und -Konsolen hin zu mobilen Smartphones, mit denen 45 % aller Jugendlichen einer aktuellen US-Befragung zufolge „fast ständig“ online sind. Hier wurde erstmals in einer Langzeitstudie der Gebrauch verschiedenster digitaler Medien bei Jugendlichen erfasst und mit der Häufigkeit von Symptomen einer ADHS abgeglichen.

Design

Langzeit-Kohortenstudie mit 2587 Jugendlichen im Alter von 15 – 16 Jahren aus 10 Schulen im Bezirk Los Angeles, die anfänglich keine ADHS-Symptome zeigten. Gefragt wurde nach der mehrfach täglichen Nutzung von 14 verschiedenen Arten digitaler Medien und Dienste (Überprüfen der Seiten sozialer Medien, Textnachrichten, Bilder oder Videos schauen etc.). Ebenfalls abgefragt wurde die Häufigkeit (nie/selten, manchmal, oft, sehr oft) von 18 Symptomen der ADHS. Schüler, die bei mindestens 6 Symptomen „oft“ oder „sehr oft“ geantwortet hatten, wurden als ADHS-Symptomatik positiv eingestuft.

Hauptergebnisse

  • Die Jugendlichen betätigten sich bei durchschnittlich 3,62 der 14 Medienaktivitäten mehrmals täglich. Am häufigsten war das Überprüfen sozialer Medien durch 54,1 % der Befragten.
  • Nach einem medianen Follow-Up von 22,6 Monaten war ein häufiges Engagement bei jeder zusätzlichen Medienaktivität mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit für ADHD-Symptome assoziiert (Chancenverhältnis OR 1,11 95%-Konfidenzintervall 1,06 – 1,16).
  • Weniger als ein Fünftel (n=495) der Schüler hatte anfänglich keinen hochfrequenten Mediengebrauch berichtet. Während diese Schüler am Studienende zu 4,6 % ADHS-Symptome zeigten, waren es für Schüler mit 7 hochfrequenten Aktivitäten 9,5 % und bei den 51 Schülern, die in allen 14 Bereichen mehrfach täglich aktiv waren, waren es 10,5 %.

Klinische Bedeutung

Obwohl die Nutzung digitaler Medien relativ leicht automatisch quantifiziert werden könnte, beruhen alle Angaben in dieser Studie auf Selbstberichten. Berichtet wird auch nicht die Rate an klinisch diagnostizierter ADHS zu Studienbeginn und -Ende, sondern lediglich die Eigenbewertung der Schüler bezüglich einzelner Symptome. Vor diesem Hintergrund wird die gefundene schwache Assoziation zwischen intensiverer Nutzung digitaler Medien und nachfolgender ADHS-Symptomatik nicht ausreichen, um die Fragen nach möglichen negativen Folgen dieser Art des Medienkonsums eindeutig zu beantworten.

Finanzierung: National Institutes of Health.