Influenza: Weiterhin Impflücken trotz möglicher Komplikationen


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Für Menschen mit Herzerkrankungen ist die Influenza-Impfung eine besonders wichtige zusätzliche Maßnahme, um das Risiko für ein tödliches kardiales Ereignis, etwa einen Herzinfarkt, zu senken. Daran erinnert unter anderen die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Herzkranke sollten sich schon jetzt im Herbst impfen lassen, raten seit Jahren immer wieder auch Kardiologen, so etwa der Hamburger Herzspezialist Professor Thomas Meinertz . „Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten bei Grippe als gefährdet, insbesondere Menschen mit Herzschwäche“, so der Kardiologe der Deutschen Herzstiftung.

Auch junge Menschen nicht ungefährdet

Durch schwere Grippewellen sterben in Deutschland jedes Jahr Tausende Menschen. So kam es, wie berichtet , in der Saison 2017/18 nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zu rund 25.100 Influenza-bedingten Todesfällen. Ältere Menschen und chronisch Kranke sind besonders gefährdet, schwere oder tödliche Verläufe der Influenza zu erleiden. Zu den gefürchteten Komplikationen einer Grippe gehören Entzündungen des Gehirns oder des Herzmuskels – sogar junge Menschen ohne Vorerkrankungen kann dies betreffen. Für Menschen, die an Herzerkrankungen leiden, bergen Influenzaviren das Risiko schwerer oder tödlicher Herzereignisse, etwa Herzinfarkte.

Mehrere Studien liefern gute Argumente

Wie wichtig die Influenza-Impfung ist, hat unter anderen eine dänische Studie gezeigt: Mehr als 130.000 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz wurden in die Studie eingeschlossen. Sie wurden nach der Diagnose ihrer Herzerkrankung im Schnitt für 3,7 Jahre nachbeobachtet. Patienten, die in dieser Zeit mindestens eine Grippeimpfung erhalten hatten, hatten einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber nicht-geimpften Patienten: Ihr Sterberisiko war 18 Prozent geringer. „Das Risiko reduzierte sich umso mehr, je regelmäßiger die Impfung im Laufe der Jahre erfolgte“, sagt Professor Dr. med. Bernd Salzberger, Leiter der Infektiologie des Universitätsklinikums Regensburg und Vorstandsmitglied der DGI. 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine taiwanesische Studie mit 8700 Patienten, die einen ersten Herzinfarkt überlebt hatten: Wer von ihnen innerhalb der ersten sechs Monate nach der Entlassung aus der Klinik gegen Grippe geimpft worden war, hatte innerhalb eines Jahres ein um 18 Prozent geringeres Sterberisiko. Das Risiko, einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, war 16 Prozent niedriger als bei ungeimpften Teilnehmern.  Die Bedeutung der Influenza-Impfung zeigen auch Ergebnisse einer aktuellen kanadischen Studie , wonach es eine enge Assoziation zwischen respiratorischen Infektionen, insbesondere Influenza, und Herzinfarkten gibt.

Großer Nutzen, aber geringe Impfquoten

„Seit Jahren belegen immer mehr Studien, wie groß der Nutzen der Grippeimpfung insbesondere für Herzpatienten ist. In der Öffentlichkeit und bei den betroffenen Patienten ist dies jedoch noch zu wenig bekannt, und die Impfquoten sind entsprechend gering“, sagt nun Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln und Vorsitzender der DGI.

Auf Lücken bei der Influenza-Impfung hat kürzlich, wie berichtet , auch das Robert-Koch-Institut im aktuellen „Epidemiologischen Bulletin“  hingewiesen: Vor allem über 60 Jahre alte Menschen und Klinik-Mitarbeiter sind betroffen, wie eine Auswertung der Daten der letzten Grippe-Saison zeigt.

Erfreulich sei allerdings der seit Jahren erstmalig zu beobachtende Anstieg der Impfquoten zur Saison 2018/19 in allen Altersgruppen und ausgewerteten Bundesländern, mit dem die Impfquoten wieder das Niveau der Saison 2014/15 erreicht hätten. Vermutlich habe die STIKO-Empfehlung für einen quadrivalenten Impfstoff zu einer verstärkten Nachfrage geführt, heißt es im Epidemiologischen Bulletin. Außerdem sei die Saison 2017/2018 eine ungewöhnlich schwere Influenza-Saison gewesen, so dass daher die Inanspruchnahme der Impfung in der Folgesaison gestiegen sei. 

Insgesamt seien jedoch in allen untersuchten Bundesländern und Saisons weniger als die Hälfte der ≥ 18-Jährigen mit gesundheitlicher Impfindikation gegen die saisonale Influenza geimpft. Ein wesentlicher Sprung der Impfquote sei hier erst zur Altersgruppe der 60- bis 69- sowie dann zur Gruppe der 70- bis 79-Jährigen zu beobachten. Dies beruhe sehr wahrscheinlich auf dem Vorliegen der doppelten Impfindikation aus gesundheitlichen und nun auch altersbedingten Gründen.

Auch Ärzte und Pflegekräfte zu selten geimpft

Obgleich es einen Anstieg gibt, sind auch bei Klinik-Mitarbeitern noch Impflücken vorhanden. Auch Ärzte und Pflegekräfte in Kliniken lassen sich, wie das RKI moniert, noch zu selten gegen Influenza impfen; dies gehe aus einer Onlinebefragung hervor, an der 171 Kliniken mit rund 27.000 Mitarbeitern teilgenommen hätten. Laut RKI war in der vergangenen Saison etwa jeder zweite Beschäftigte (52 Prozent) gegen Influenza geimpft, 2017/18 waren es nur 39 Prozent.