Influenza-Vakzine aus „grüner“ Produktion: klinische Phase-3-Studien belegen Schutzeffekte

  • Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die rekombinante Herstellung von Influenza-Vakzinen in Pflanzen könnte eine einfache Alternative zu der in embryonierten Hühnereiern sein. Erstmals belegen Daten aus Phase-3-Studien, dass eine rekombinante quadrivalente Vakzine, deren Proteine in der Tabakpflanze erzeugt werden, bei älteren und jüngeren Menschen immunogen und sicher ist. Bei älteren Probanden erwies sich die Vakzine aus pflanzlicher Produktion den saisonalen Grippeimpfstoffen aus der konventionellen Herstellung als nicht unterlegen.

Hintergrund
Saisonale Influenza-Vakzine werden noch immer auf Basis der Virusvermehrung in embryonierten Hühnereiern hergestellt, aber diese Produktionsform kommt häufig an Kapazitätsgrenzen. Sie erfordert infektiologisch kontrollierte Hühnerbestände, die Eier müssen befruchtet sein und werden unter sterilen Bedingungen beimpft. Außerdem können bei der Aufreinigung Spuren von Eiproteinen zurückbleiben, so dass Menschen mit Hühnereiweißallergie die Impfstoffe nicht vertragen. Deshalb wird intensiv nach Alternativen für eine Virusvermehrung im Hühnerei gesucht. Eine Alternative ist die rekombinante Proteinproduktion in der Pflanze. Erstmals ist eine solche quadrivalente Vakzine in Phase-3-Studien auf ihre Effektivität geprüft worden, darunter an Zentren aus Deutschland.

Design

  • Studientyp: prospektiv randomisierte, für die Bewerter verblindete multinationale Studie in Ländern der nördlichen Hemisphere (USA, Kanada, Europa)
  • Vakzine: rekombinant in der australischen Tabakpflanze (Nicotiana benthamiana) hergestellte Hämagglutininproteine des Influenzavirus, die sich spontan zu virusähnliche Partikeln zusammenlagern (quadrivalent virus-like particles [QVLP], frei von viraler RNA)
  • Teilnehmer der beiden Studien:
    • eine Studie mit 18–64jährigen Testpersonen, die 1 : 1 in zwei Subkohorten stratifiziert wurden (18-49 Jahre, 50-64 Jahre) und eine
    • zweite Studie mit Personen ≥ 65 Jahre, stratifiziert 2:1 in die Altersgruppen 65–74 Jahre und ≥ 75 Jahre
  • Studientherapie: in der Studie
    • mit jüngeren Probanden Injektion der QVLP-Vakzine vs. Placebo i.m. in den Oberarm und in der Studie
    • mit den älteren Probanden die QVLP-Vakzine vs. einen zugelassenen saisonalen Influenzaimpfstoff

Hauptergebnisse

  • In der Studie mit den jüngeren Probanden wurden 10.160 Teilnehmer 1 : 1 zu Verum oder Placebo randomisiert. Die Vakzine war immunogen. Mit einem Schutzeffekt von 35,1 % vor einer laborbestätigten Infektion durch einen der Vakzine-Influenzastämme erreichte sie aber nicht ihren primären Endpunkt (70 % Schutz). Die protektive Wirkung war aber vergleichbar mit der, wie sie in vielen Jahren ,mit Impfstoffen gegen saisonale Influenza erzielt wird.
  • In die Studie 65-plus wurden 12.794 Teilnehmer aufgenommen und randomisiert. Diese Studie erreichte ihren primären Endpunkt, in dem eine Nicht-Unterlegenheit zu einem zugelassenen saisonalen Grippeimpfstoff belegt wurde.
  • Relevante unerwünschte Effekte waren mit 0,1 bis

Klinische Bedeutung
In den beiden Studien seien, so die Autoren, Machbarkeit, Immunogenität und Sicherheit eines rekombinanten Vierfachimpfstoffs aus pflanzlicher Herstellung belegt worden. Vor dem Hintergrund, dass sich nicht nur die humane saisonale Grippe, sondern auch zoonotische Influenzaviren pandemisch rasch ausbreiten könnten, müssten alternative Verfahren für die Gewinnung von Vakzinematerial dringend bis zur Marktreife weiterentwickelt werden.

Finanzierung: Medicago