Influenza-Impfung: Schutzwirkung lässt innerhalb einer Grippe-Saison nach


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Schutzwirkung einer Influenza-Impfung ist innerhalb von 3-5 Wochen nach der Vakzinierung am höchsten und nimmt danach allmählich ab. 5 Monate nach Vakzinierung war das Infektionsrisiko in einer Studie mit 49.272 Impfungen in den USA (7 Grippe-Saisons ) circa doppelt so hoch wie in den ersten 3-5 Wochen nach der Impfung. Das Infektionsrisiko nimmt ab der 6. Woche nach Impfung alle 28 Tage um 16 % zu.

Hintergrund
Vor allem für Immungeschwächte kann eine Grippe eine lebensbedrohliche Erkrankung sein, das gilt auch für die Industrieländer. In der vergangenen Saison (2017/18) gab es in Deutschland nach Daten des Robert-Koch-Instituts 1624 tödlich verlaufende Influenza-Infektionen, der Altersmedian der Verstorbenen lag bei 79 Jahren (1). Mehr als 60.000 Menschen mit labordiagnostisch gesicherter Influenza mussten in der letzten Grippe-Saison in Deutschland stationär behandelt werden. Vor allem Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe der Influenza wird die Impfung empfohlen. Der Schutzeffekt aber ist unterschiedlich gut, auch zwischen den Wintern. Die Frage, wie er optimiert werden kann, wird international untersucht, und zwar auch in Bezug auf den zeitlichen Abstand zwischen Impfung und Virus-Exposition (2).

Design

  • 49.272 in den USA geimpfte Personen (2 Jahre bis > 85 Jahre) wurden mit Hilfe eines PCR-basierten Influenza-Tests auf eine Infektion in der entsprechenden Saison untersucht
  • Die Untersuchungen liefen über 7 Winter ab 2010/11 bis 2016/17
  • Immunisiert wurde mit inaktivierten Impfstoffen, deren antigene Komponenten den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprachen
  • Ausgewertet wurden positive und negative Testergebnisse, und diese in Kategorien von Zeitabständen nach der Impfung unterteilt

Hauptergebnisse
Im Vergleich mit Studienteilnehmern, die ab dem 14. Tag bis zum 41. Tag nach der Impfung auf Influenza getestet wurden, nahm das Risiko für eine Influenza-Infektion alle 28 Tage um 16 % zu. Ab 154 Tagen nach der Impfung lag die Wahrscheinlichkeit für den Nachweis von Influenza um den Faktor 2,13 über der Wahrscheinlichkeit für den Zeitraum von 14-41 Tagen. Nach Meinung der Forscher bestätigen diese Ergebnisse Daten früherer Studien, die – wenn auch mit anderen methodischen Ansätzen – ebenfalls ein Nachlassen der Schutzwirkung von Influenzavakzinen im Verlauf der Grippe-Saison vermuten ließen.

Klinische Bedeutung
Die protektiven Effekte einer Influenza-Impfung beginnen offenbar einige Monate nach Impfung nachzulassen, und zwar innerhalb einer Grippe-Saison. Nach Meinung der Forscher sollte daraus der Schluss gezogen werden, besonders gefährdete Gruppen nicht zu früh zu impfen, und innerhalb eines Winters sei es für die Impfung vermutlich nie zu spät.
 

Finanzierung: National Institute of Allergy and Infectious Diseases, National Institutes of Health, USA