Influenza-Impfquote in Alten- und Pflegeheimen liegt unter den offiziellen Empfehlungen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Im Durchschnitt sind 58,5 Prozent der Bewohner in beschützenden Einrichtungen sowie Pflege- und Altenheimen (bPA-Einrichtungen) gegen Influenza geimpft, so die Ergebnisse einer Analyse der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Berlin und der LMU München, die jüngst im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht wurde. Danach wird das Impfverhalten der Bewohner stark durch die Inanspruchnahme der hausärztlichen Versorgung geprägt.

Hintergrund

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut appelliert jedes Jahr aufs Neue daran, besonders gefährdete Personen, darunter Menschen in beschützenden Einrichtungen sowie in Alten- und Pflegeheimen (bPA-Einrichtungen) gegen die saisonale Influenza zu impfen. Die Europäische Kommission fordert indessen eine Influenzaimpfquote in der älteren Bevölkerung von 75%. Doch nicht nur aussagekräftige Analysen zu Influenzaimpfquoten von Bewohnern in bPA-Einrichtungen fehlen, sondern auch Informationen zu Faktoren, welche ihre Impfentscheidung beeinflussen.

Design

Die Studie hatte zum Ziel, auf Basis ambulanter Abrechnungsdaten erstmals einen bundesweiten Überblick über die Influenzaimpfquoten bei Patienten in bPA Einrichtungen zu geben. Es erfolgte die deskriptive Auswertung der ambulanten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten für 6 Studienkohorten in den Jahren 2010 bis 2016.

Hauptergebnisse

Die bundesweite Impfquote der ab 60-jährigen, in bPA-Einrichtungen versorgten Patienten lag in der ersten untersuchten Impfsaison (2010/11) bei 60,3 %. Über die Jahre zeigte sich ein Rückgang der Impfquoten auf 56,6% (2015/16). Über den Gesamtzeitraum wurde ein Durchschnitt von 58,5% erreicht. Dabei ergaben sich deutliche regionale Unterschiede in den Influenzaimpfquoten von bis zu 20 Prozentpunkten, wobei in den neuen Bundesländern die meisten Bewohner einen Grippeschutz aufwiesen. Wenn zuvor ein Hausarzt konsultiert wurde, stieg die Influenza-Impfquote um bis zu 35 Prozentpunkte.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse geben erstmals relevante Einblicke zur Umsetzung der Influenza-Impfempfehlung der STIKO in deutschen bPA-Einrichtungen. Die von der Europäischen Kommission geförderte Abdeckung von 75 Prozent konnte anhand der ermittelten Impfquoten allerdings nicht erreicht werden. Die Studie enthält jedoch eindeutige Hinweise auf Zusammenhänge zwischen strukturellen Versorgungsunterschieden und der Inanspruchnahme der Grippeimpfung. Wie die Studienautoren zusammenfassen, sei das Impfverhalten der Bewohner stark durch die Inanspruchnahme der hausärztlichen Versorgung geprägt. Hausärzten spielen demnach eine primäre Rolle hinsichtlich der Impfmotivation. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Gruppen mit besonders niedrigen Influenzaimpfquoten zu identifizieren, um dann entsprechende Maßnahmen zur Erhöhung zu ergreifen.