Influenza & Co.: Impfquoten bei Erwachsenen liegen unter 50 Prozent

  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Impfquoten der meisten von der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Erwachsenenalter empfohlenen Impfungen liegen unter 50 Prozent. Das geht aus einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, die im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 49/2022 veröffentlicht wurde. Demnach seien die Impfquoten bei Erwachsenen weiterhin auf einem zu niedrigen Niveau. Die COVID-19 Pandemie hat die Inanspruchnahme von Routineimpfungen bei Erwachsenen offenbar jedoch nicht negativ beeinflusst.

Große Impflücken bei jüngeren Risikopatienten und Schwangeren

Wie die Ergebnisse zeigen, sind vor allem jüngere Risikogruppen kaum entsprechend den STIKO-Empfehlungen geimpft. So sind beispielsweise 18 bis 49-jährige Risikopatienten zu weniger als 20 Prozent gegen Influenza oder Pneumokokken geimpft. Gleiches gilt für schwangere Frauen, die ebenfalls zu weniger als 20 Prozent gegen Influenza geimpft sind.

Dagegen wurde laut RKI die vergleichsweise junge Empfehlung zur Pertussisimpfung in der Schwangerschaft (seit März 2020) besser als die Influenzaimpfung umgesetzt. Mit einer Impfquote von immerhin knapp 40 Prozent lag die Inanspruchnahme der Pertussisimpfung zwei Jahre nach dem Beschluss zur Empfehlung bereits doppelt so hoch wie die Inanspruchnahme der Influenzaimpfung.

Influenza: 75 Prozent werden nicht erreicht

Auch wurde das von der Europäischen Kommission und der Weltgesundheitsversammlung erklärte Ziel, eine Influenzaimpfquote von mindestens 75 Prozent unter Senioren zu erreichen, mit 43 Prozent deutlich verfehlt; auch wenn bei den ab 60-jährigen Personen mit einer Indikation für eine Influenzaimpfung aufgrund bestehender Grunderkrankungen die Impfquoten höher liegen als die der gesunden über 60-Jährigen.

Pandemie hat keinen Einfluss auf Impfquote

Im Vergleich zu den vorpandemischen Jahren haben sich 2020 und 2021 die Impfquoten mehrerer von der STIKO für Erwachsene empfohlenen Impfungen weiter erhöht. Die Pandemie hatte damit offenbar keinen negativen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Routineimpfungen unter Erwachsenen in Deutschland, betonen die Studienautoren.

Demnach sei insbesondere bei Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und Masern die erhöhte Inanspruchnahme zu beobachten. Insgesamt erscheint die Nutzung von Impfstoffen im Erwachsenenalter jedoch weiterhin verbesserungswürdig, kritisiert das RKI.

Bei jedem Arztbesuch Impfstatus prüfen

Damit werde das Potenzial von Impfungen zur Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe, von Krankenhausbehandlungen und Tod bei weitem noch nicht ausgeschöpft, so das Fazit des RKI-Berichts. Laut der Autoren bedürfe es mehr Anstrengungen und Maßnahmen, um Erwachsenen-Risikogruppen gezielt über ihr erhöhtes Erkrankungsrisiko aufgrund des Alters, einer bestehenden Schwangerschaft oder relevanter Grunderkrankungen aufzuklären sowie über den Nutzen der empfohlenen Impfungen zu informieren.

Des Weiteren fordern sie auch Ärzte auf einen Beitrag für höhere Impfquoten zu leisten: „Jeder Arztbesuch sollte genutzt werden, um den Impfstatus zu prüfen, Nachholimpfungen durchzuführen und somit zumindest einen Teil der Barrieren bei der Inanspruchnahme von Impfungen abzubauen“, so die RKI-Wissenschaftler.