Infektiologen empfehlen, Penicillinallergie vom Allergologen abklären zu lassen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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 Kernbotschaft

Viele Menschen nehmen an, eine Penicillin-Allergie zu haben, was in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Das Ausweichen auf andere Antibiotika ist bei solchen Patienten nicht nur unnötig, sondern hat auch Nachteile. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) anlässlich einer aktuellen Publikation im Fachmagazin JAMA aufmerksam. Sie empfiehlt Ärzten, eine angegebene Penicillinallergie im Vorfeld abzuklären.

Hintergrund

Laut JAMA-Studie gibt in den USA rund jeder zehnte Patient an, schon einmal allergisch auf ein Penicillin reagiert zu haben. Meist sind Nebenwirkungen wie beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden oder Juckreiz der Grund für die Allergie-Vermutung. Allergologische Tests jedoch zeigen, dass bei rund 95 Prozent der Betroffenen keine Allergie vorliegt, so die Studienautoren.

Die DGI weist darauf hin, dass ähnliche Zahlen auch für Deutschland existieren: Etwa drei Viertel der Patienten, die glauben, an einer Penicillinallergie zu leiden, vertragen nicht nur Penicillin, sondern auch alle Beta-Laktam-Antibiotika, zu denen auch die Cephalosporine zählen. „Selbst wenn tatsächlich eine Allergie gegen ein bestimmtes Penicillin vorliegen sollte, ist meist trotzdem die Behandlung mit einem anderen Penicillin oder mit einem Cephalosporin aus dieser Gruppe möglich“, sagt Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln. Dennoch werde in Akutfällen oft auf die Gabe sämtlicher Beta-Laktame verzichtet, weil die Zeit für allergologische Tests nicht ausreiche.

KlInische Bedeutung

Anstelle der hochwirksamen und gut verträglichen Beta-Laktam-Antibiotika erhalten Patienten dann Antibiotika anderer Substanzklassen, die teils weniger effektiv sind und mit stärkeren Nebenwirkungen einhergehen – etwa einer problematischen Besiedelung des Darms mit Clostridium difficile-Bakterien, heißt es in der DGI-Mitteilung. Der vermehrte Einsatz von Breitband- und Reserveantibiotika trage außerdem zur Entstehung von Resistenzen bei.

Die Fachgesellschaft empfiehlt daher, eine vermeintliche Penicillinallergie von einem Allergologen abklären zu lassen. Denn im Akutfall habe man unter Umständen zu wenig Zeit für einen Test, und der Arzt muss zwangsläufig auf andere Antibiotika ausweichen, so der DGI-Präsident. Auch Winfried Kern, Professor für Infektiologie am Freiburger Universitätsklinikum, unterstützt die Bemühungen der DGI, dem unnötigen Verzicht auf Penicilline entgegenzuwirken: „Neue Zahlen belegen, dass in deutschen Krankenhäusern durch das Engagement von Ärzten und Apothekern im Bereich des Antibiotic Stewardship (ABS) zuletzt wieder mehr Penicillin und Penicillinderivate anstelle von Cephalosporinen und Fluorchinolonen verwendet werden – keineswegs zum Nachteil der Patienten“.