Infektiöse Endokarditis: orale Antibiotika-Therapie kann Klinikaufenhalt deutlich verkürzen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Patienten mit infektiöser linksseitiger Endokarditis, die stabil sind, können von einer intravenösen Antibiotika-Therapie auf orale Einnahme umgestellt werden. Diese ist der intravenösen Applikation nicht unterlegen. 

Hintergrund

Patienten mit infektiöser linksseitiger Endokarditis, die lebensbedrohlich ist, werden gemäß den Leitlinien (USA, EU) typischerweise bis zu sechs Wochen mit intravenös verabreichten Antibiotika behandelt. Es ist bislang unklar gewesen, oral verabreichte Antibiotika bei stabilen Patienten hinsichtlich Effektivität und Sicherheit der intravenösen Gabe gleichwertig sind.

Design

Randomisierte und kontrollierte Multicenter-Studie, die auf den Nachweis der Nicht-Unterlegenheit der oralen Antibiotika-Therapie angelegt war. An der Studie nahmen 400 Patienten (Durchschnittsalter 67) in stabilem klinischem Zustand teil, die an einer infektiösen Endokarditis (Streptococcus, Enterococcus faecalis, Staphylococcus aureus, coagulase-negative Staphylococci) erkrankt waren und nach einer intravenösen Antibiotika-Therapie entweder weiterhin Antibiotika intravenös erhielten (n = 199) oder auf eine orale Gabe umgestellt wurden. Im Mittel dauerte es von der Diagnose bis zur Randomisierung in beiden Therapie-Gruppen 17 Tage.  Der primäre Endpunkt bestand aus der Gesamtmortalität, ungeplanter Herzoperation, Embolien oder erneute Bakteriämie mit dem primären Keim, der die Endokarditis verursacht hatte.  Zeitraum: Vom Zeitpunkt der Randomisierung bis sechs Monate nach Abschluss der Antibiotika-Therapie.

Hauptergebnisse

Die intravenöse Antibiotika-Therapie war mediane 19 Tage nach der Randomisierung beendet, die orale Therapie nach medianen 17 Tagen. Der Unterschied war statistisch nicht signifíkant.

  • Beim primären Endpunkt erwies sich die orale Therapie der intravenösen als nicht unterlegen. Ein primäres Endpunkt-Ereignis gab  es bei 12,1 Prozent der Patienten, die die Antibiotika intravenös erhielten, und bei 9,0 Prozent der Patienten mit der oralen Therapie. 
  • Der Klinikaufenthalt dauerte in der Gruppe mit der intravenösen Therapie im Mittel 19 Tage, in der Gruppe mit oraler Therapie nur drei Tage. 

Klinische Bedeutung

Die Studie mit dem Akronym POET zeigt, dass der Klinikaufenthalt von Endokarditis-Patienten deutlich verkürzt werden kann, wenn sie auf eine orale Antibiotika-Therapie umgestellt und ambulant weiterbehandelt werden. Dadurch können sie vor Klinik-Komplikationen geschützt werden, zudem können Kosten reduziert werden. Voraussetzung für die Umstellung auf eine orale Therapie ist außer der klinischen Stabilität der Patienten selbstverständlich eine Endokarditis durch Keime, die gut mit oralen Präparaten bekämpft werden können. Zudem sollten die Patienten eine kontinuierliche ambulante Versorgung mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen haben. 

Finanzierung: Dänische Herzstiftung und andere