In der Woche vor einem Notfall ändert sich das Suchverhalten der Patienten bei Google


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten, die in die Notaufnahme mussten, suchten in der Vorwoche bei Google doppelt so häufig nach medizinischen Inhalten und fragten dabei nach ihren Hauptbeschwerden. Die Bereitschaft, solche Daten zu teilen, scheint in den USA größer als erwartet.

Hintergrund

Ein zunehmend größerer Teil unseres Privatlebens hinterlässt digitale Spuren, beispielsweise bei Online-Händlern wie Amazon, in sozialen Netzwerken wie Facebook oder bei Suchmaschinen wie Google. In medizinischer Hinsicht reflektiert das Suchverhalten dabei die privaten Interessen womöglich besser als öffentliche bzw. geteilte Aktivitäten, mutmaßten die Autoren - und haben Patienten in der Notaufnahme daher um Erlaubnis gebeten, deren Suchgeschichte nachträglich auszuwerten.

Design

Querschnittsstudie, bei der anfänglich 703, überwiegend junge und weibliche Patienten in einer städtischen Notaufnahme um ihre Teilnahme gebeten wurden, und bei der unter 334 geeigneten Freiwilligen (mit einem Google-Konto) 165 (49 %) der Nutzung ihrer Daten zustimmten. 119 waren dazu auch in der Lage, von denen aber wiederum 16 keine Daten hatten, so dass für die finale Analyse 103 Studienteilnehmer übrigblieben.

Hauptergebnisse

  • Für die 103 Teilnehmer wurden 591.421 Suchanfragen gefunden, darunter waren 37.469 (6 %) zur Gesundheit.
  • In den 7 Tagen vor dem Aufenthalt in der Notaufnahme war der Anteil Gesundheits-relevanter Suchanfragen auf 15 % gestiegen.
  • 56 % der Patienten hatten in dieser Zeit nach Symptomen gesucht, 53 % nach Informationen zu Kliniken, und 23 % nach Behandlungsmöglichkeiten für eine Krankheit gegoogelt.
  • 53 % der Studienteilnehmer, die in der Vorwoche ihres Aufenthaltes in der Notfallambulanz Google genutzt hatten, suchten dabei direkt nach Inhalten zu ihren Hauptbeschwerden.

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt zum einen, dass zumindest unter US-amerikanischen Nutzerinnen ein verhältnismäßig hoher Anteil bereit ist, Informationen für die medizinische Forschung zugänglich zu machen, die man bei Google (und wahrscheinlich auch anderen Suchmaschinen) eingegeben hat. Angesichts der prominenten Diskussionen um den Datenschutz wie Missbrauch bei Facebook und Google könnten diese Zahlen überraschend sein, schreiben die Autoren. Praktische Konsequenzen zeichneten sich dadurch ab, dass die Veränderung beim Volumen und beim Inhalt von Suchanfragen in der Vorwoche eines Notfalls „die Möglichkeit nahelegen, die Nutzung dieser Einrichtungen vorherzusehen und die Versorgung zu verbessern“.

Finanzierung: Robert Wood Johnson Foundation Pioneer Award (72695).