Impfung von Kindern: Keine Evidenz für „zu früh zu viel“


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Impfungen sind weltweit die wichtigste Säule der Gesundheitsvorsorge für Kinder. Die Zahl der empfohlenen Impfungen hat sich seit den 90er Jahren erhöht, auch in Deutschland. Dadurch nimmt bei einem Teil der Eltern die Befürchtung zu, die vielen Impfungen könnten das Immunsystem überfordern. Diese Frage ist in einer großen „nested“ Fallkontrollstudie in den USA untersucht worden.

Kernbotschaften

Bei Kindern im Alter von 24 und 47 Monaten erhöht sich das Risiko für Infektionen durch Erreger, die nicht Bestandteil von Vakzinen sind, durch zunehmende Impf-Antigen-Exposition nicht. Die Impfungen interferieren nicht mit der Fähigkeit des Immunsystems, Krankheitserreger effektiv abzuwehren.

Hauptergebnisse

Während der ersten 24 Lebensmonate hatten die Kinder in der Fallgruppe durchschnittlich 240,6 Antigendosen erhalten und die Kinder in der Kontrollgruppe 242,9 Antigendosen. Die Differenz betrug +2,3 Antigendosen (Kontrolle vs. Fälle; p = 0,55). Der Unterschied war damit nicht signifikant.

Design

  • Ausgangskohorte: 495 193 Kinder der Vaccine Safety Datalink aus 6 US-amerikanischen Gesundheitsnetzwerken
  • Zeitraum: 2003 bis 2013
  • Datenbasis: 47 061 Infektionserkrankungen durch Erreger, gegen die nicht geimpft wurde (non-target infections), davon 193 non-target Infektionen nachgewiesen bei Kindern im Alter von 24 bis 47 Monaten; diese wurden definiert als „Fälle“
  • Fälle (n = 193) wurden 1: 4 gematcht mit Nicht-Fällen, die in den übrigen relevanten Parametern vergleichbar waren (n = 751)
  • durchschnittliches Alter: 32,5 Monate

Klinische Bedeutung

Bei nationalen Impfempfehlungen müssen der zu erwartende Nutzen in einer Population und die direkten und indirekten Risiken sorgfältig abgewogen werden. Zu den indirekten Risiken gehört, dass die Compliance von Impfungen mit der Zunahme der Zahl sinkt. Von einem Teil der Eltern wird als Begründung dafür, Impfungen beim Kind auszulassen, außer der unmittelbaren Belastung durch die Injektion auch die Vermutung angegeben, „zu viele Impfungen zu früh“ könnten das Immunsystem schwächen. Diese Argumentation von Eltern haben US-Forscher in einer großen Fallkontrollstudie überprüft und kommen zu dem Schluss: Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie zutrifft.

In Deutschland werden für Kinder im Allgemeinen Impfungen gegen 10 verschiedene Krankheitserreger empfohlen.

Finanzierung: CDC Centers for Disease Control, USA