Impfquoten in Deutschland: Robert-Koch-Institut meldet Positives, aber auch Defizite


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Die Impfquoten, die im Schuleingangsalter erhoben werden, vermitteln laut Robert-Koch-Institut ein „überwiegend positives Bild“. Eine differenziertere Analyse zeige hingegen „teilweise erhebliche Defizite in anderen Altersgruppen“, heißt es im aktuellen „Epi­de­mi­o­lo­gischen Bulletin“ (1/2018). So liege Deutschland bei zwei Impfungen (Masern und saisonale Influenza) deutlich unter den nationalen bzw. internationalen Zielvorgaben. Die Detailanalysen lassen nach Angaben des Berliner Instituts „drei Hauptproblemfelder“ erkennen: 

  1. das zeitgerechte Impfen von Kleinkindern
  2. das Impfen von Jugendlichen und Erwachsenen und
  3. eine bei einzelnen Impfungen erhebliche Varianz auf regionaler Ebene. 

Das zu späte Impfen setzte junge Kinder unnötig lange einer Infektionsgefahr aus, betonen die Autoren. Das dadurch resultierende Risiko sei abhängig von der zu verhindernden Erkrankung bzw. der jeweiligen Impfung. Bei Krankheiten wie Masern hätten gerade Säuglinge und Kleinkinder das höchste Risiko für eine Infektion oder erkrankungsbedingte Komplikation. Ein zu spätes Impfen stelle bei der Rotavirus-Impfung sogar ein zwar geringfügiges, aber dennoch signifikant erhöhtes Risiko für eine Impfkomplikation dar. Nur etwa ein Drittel der  jugendlichen Mädchen habe sich gegen HPV impfen lassen; auch der Anteil der Senioren, die sich gegen  Influenza geschützt hätten, sei mit nur rund einem Drittel zu gering. Da beide Erkrankungen mit einer erheblichen Krankheitslast einhergingen bzw. eine beträchtliche Zahl von Todesfällen verursachten, sei hier eine bessere Impfinanspruchnahme besonders wichtig, heißt es außerdem. 

Niedrige lokale Impfquoten könnten „verantwortlich sein für größere (lokale) Ausbruchsgeschehen, sobald ein hochan- steckender Erreger wie das Masernvirus in solche Regionen importiert“ werde. Sie können laut RKI „auch lokal dazu führen, dass die Impfquoten nicht ausreichen, einen Gemeinschaftsschutz zu induzieren, von dem nicht impffähige Personen wie Säuglinge oder Patienten mit eingeschränktem Immunsystem profitieren würden“.

Das Robert Koch-Institut führt seit 2004 in Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen die „KV-Impfsurveillance“ als zusätzliche Säule für ein bundesweites Monitoring von Impfquoten durch. Die Er­geb­nisse werden seit 2016 jähr­lich ver­öf­fent­licht, je­weils in der ersten Aus­gabe des Epidemiologischen Bulletins.