Impfkomplikationen: PEI meldet weniger Verdachtsfälle


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) stellt im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit die Auswertung der im Jahr 2016 gemeldeten Verdachtsfälle von Impfkomplikationen vor. Danach ist mit 3.673 Fällen im Vergleich zum Vorjahr (3.919) ein Rückgang zu verzeichnen. Todesfälle, die bei Säuglingen und alten Menschen über 75 Jahren auftraten, stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit den Impfungen. „Auch ein neues Risikosignal für bisher unbekannte Nebenwirkungen durch die in Deutschland angewandten Impfstoffe ergibt sich im Jahr 2016 nicht“, lautet das Fazit des PEI.

Ergebnisse

Von den eingegangenen Meldungen handelt es sich bei rund 30 Prozent um schwerwiegende Fälle. Davon wurden bei 1,3 Prozent bleibende Schäden festgestellt. In 14 Verdachtsmeldungen wird über Narkolepsie nach einer Impfung mit Pandemrix® zum Schutz gegen die H1N1-verursachte Influenza berichtet. Aufgrund der aktuellen Studienlage bewertet das PEI einen Zusammenhang zwischen Narkolepsie und Impfung mit Pandemrix® als „konsistent“ und geht in einem gesonderten Kapitel näher darauf ein. 

Darüber hinaus meldet das PEI 15 Verdachtsfälle mit tödlichem Ausgang. In sechs der 15 Fälle wurde ein plötzlicher Kindstod bei Kindern im Alter von zwei bis 18 Monaten als Todesursache berichtet. Fünf Kinder im Alter von drei Monaten bis fünf Jahren starben an den Folgen einer schwerwiegenden Infektion. Ein vier Monate alter Junge entwickelte eine Woche nach einer Impfung mit einem Sechsfachimpfstoff (DTaP-IPV-HBV/Hib) und einem 13-valenten Pneumokokkenimpfstoff ein Kawasaki-Syndrom mit kardialen Komplikationen, die zum Tode führten. Zwei Männer und eine Frau im Alter von 77 und 81 Jahren erlagen im zeitlichen Zusammenhang nach einer Grippeimpfung einem Herz-Kreislauf-Versagen bei bekannter Herzinsuffizienz bzw. einer Pneumonie mit respiratorischer Insuffizienz. „In keinem einzigen Fall war ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Impfung und der berichteten Todesursache festzustellen“, heißt es dazu im aktuellen Bulletin.

Am häufigsten wurden jedoch unerwünschte Impfreaktionen gemeldet, die nicht weiter besorgniserregend sind. Dazu gehören in erster Linie vorübergehende Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber, Unwohlsein, Schüttelfrost und Gelenkschmerzen.

Hintergrund / Klinische Bedeutung

Um den Impfgedanken zu stärken, sei es besonders wichtig, reale und vermeintliche Risiken von Impfungen aufzudecken, zu untersuchen und transparent zu kommunizieren, so das Anliegen des PEI. Grundlage dafür ist jedoch, dass Verdachtsfälle von Impfkomplikationen möglichst zahlreich gemeldet werden. Obwohl Ärzte und Heilpraktiker nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet sind, Impfreaktionen und -komplikationen an das Gesundheitsamt weiter zu geben, liegt laut PEI die Quote derzeit bei nur 10 Prozent. Die meisten Verdachtsfälle meldeten dagegen Zulassungsinhaber und Fachkreise.