Impfen im Zeitplan: für Kinder mit fremdem Organ überlebenswichtig


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Kindern und Jugendliche mit einem neuen Organ erhöht sich das Risiko für schwer verlaufende impfpräventable Infektionen erheblich, wenn sie vor der Transplantation nicht den Empfehlungen entsprechend geimpft sind. Die Rate der infektionsbedingten stationären Therapien steigt bei fehlender oder nicht kompletter Impfung ebenso wie die infektionsbedingte Sterblichkeit. Das gilt zum Beispiel für Pneumokokken-Infektionen, aber auch für Infektionen mit Varizellen oder Rotaviren.

Hintergrund
Impfpräventable Infektionen sind vergleichsweise häufige und schwere Komplikationen bei Kindern und Jugendlichen, die ein fremdes Organ erhalten, denn sie benötigen kontinuierlich immunsuppressive Medikamente. Bislang gab es wenige Studien, die die Krankheitslast durch impfpräventable bakterielle oder virale Infektionen erregerspezifisch quantifiziert haben. Eine solche Analyse hat ein US-amerikanisches Forscherteam auf Basis einer großen Kohorte mit pädiatrischen Transplantationspatienten vorgelegt (1).

Design

  • multizentrische, retrospektive Kohortenstudie auf Basis des Pediatric Health Information System (PHIS)-Registers in Kansas City, das Daten von pädiatrischen Patienten aus 45 Kinderklinken dokumentiert
  • Studienkohorte: 6980 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre (55 % Jungen), die zwischen Anfang 2004 und Dezember 2011 ein allogenes Organ erhalten hatten
  • durchschnittliches Alter bei Transplantation: 8 Jahre
  • übertragene Organe: zu 37 % Nieren, zu 30 % Lebern, zu 24,2 % Herzen; die übrigen Transplantationen betrafen den Darm oder waren multiviszeral

Hauptergebnisse

1092 Organempfänger hatten im Verlauf von 5 Jahren nach der Operation eine oder mehrere impfpräventable Infektionen (1490 Fälle). 13 % der Fälle ereigneten sich noch während des Klinikaufenthalts zur Transplantation, 16 % der Gesamtgruppe mussten nach der Entlassung mindestens ein Mal in 5 Jahren wegen einer impfpräventablen Infektion stationär aufgenommen werden. Die Mortalität betrug 1,7 % für alle Infektionen versus 0,02-0,5 % in der pädiatrischen Allgemeinbevölkerung, je nach Krankheitserreger.

Bei Pneumokokken-Infektionen war die Rate stationärer Behandlungen doppelt so hoch wie in der pädiatrischen Allgemeinbevölkerung und die Sterblichkeit um das 17-fache erhöht (3,3 % vs. 0,2 %). Für Rotaviren lag die Hospitalisierungsrate im ersten Jahr nach Transplantation um den Faktor 87 über der der Vergleichsgruppe (2,6 % vs. 0,03 %) und die Sterblichkeit war 23 Mal höher bei Kindern und Jugendlichen mit Transplantat (1,4 % vs. 0,06 %). Eine ebenfalls deutlich erhöhte Morbidität und Mortalität bei Organempfängern gab es bei Influenza-, RSV- und Varizellen-Infektionen.

Klinische Bedeutung
Bei Kindern und Jugendlichen, für die eine Transplantation ansteht, sollten möglichst vor der Operation Impfungen ergänzt werden, wenn der Impfstatus nicht den Empfehlungen entspricht. Zwar sei die Durchimpfungsrate in der allgemeinen pädiatrischen Bevölkerung der USA im Grundschulalter mit circa 90 % der Impfungen gut, so die Autoren, es gebe aber Lücken bei älteren Kindern und Jugendlichen und speziell auch bei jenen, die ein neues Organ benötigen. Diese Lücken müssten dringend geschlossen werden.

Auch in Deutschland wird zum Teil zu spät und nicht zu den von der STIKO empfohlenen Zeitpunkten geimpft (2). Zwei Varizellen-Impfungen haben bei Einschulung nur circa 84 % und Pneumokokken-Impfungen 86 % (3). Gegen Pertussis sind 11- bis 17-Jährige zu circa 50 - 55 % durch Impfung geschützt.

Finanzierung: National Institutes of Health