Impfen bei HIV-positiven Personen – was zu beachten ist


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

Menschen mit HIV sind besonders durch weitere Infektionskrankheiten gefährdet. Impfen ist daher wichtig, jedoch müssen einige Besonderheiten beachtet werden. Für HIV-positive Menschen gelten daher Impfempfehlungen, die von den allgemeinen STIKO-Empfehlungen teilweise abweichen.

Hauptpunkte

  • Bei ausgeprägtem Immundefekt (CD4+-Helferzellen (CD4)

  • Da die Gefährdung durch Infektionen höher ist als bei der Allgemeinbevölkerung, sollten indizierte Impfungen nicht aufgeschoben werden. Nach erfolgter Immunrekonstitution kann es sinnvoll sein, die Impfungen zu wiederholen.

  • Bei nicht ausreichend dokumentiertem Impfstatus muss eine (erneute) Grundimmunisierung mit einem 3- oder 4-fach-Impfstoff gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und ggf. Polio.

  • Für alle HIV-Infizierten, die HBV-negativ sind, ist eine Impfung gegen Hepatitis-B indiziert. insbesondere bei CD4

  • Eine HIV-Infektion wird nicht als Grund für eine Hepatitis-A-Impfung angesehen. Ist eine Hepatitis-A-Impfung vorgesehen, werden bei CD4 500/µl erwogen werden.

  • Masern und Varizellen verlaufen bei HIV-Positiven häufig kompliziert. Bei seronegativen Betroffenen ist daher die jeweilige Impfung indiziert. Da nach Masernimpfung bei schweren Immundefekten Fälle mit schweren und teilweise tödlichen Komplikationen beschrieben wurden, dürfen Lebendimpfstoffe ausschließlich bei stabilem Immunstatus mit CD4 >200/µl/ >14% der Lymphozyten verwendet werden.

  • Abweichend von der STIKO-Empfehlung werden für die MMR-Impfung bei HIV-Positiven zwei Dosen im Abstand von > 1 Monat empfohlen. Die VZV Impfung erfolgt mit zwei Dosen im Abstand von 12 Wochen. Titerkontrollen und ggfs. weitere Impfdosen sind sinnvoll.

  • Eine Schutzimpfung vor Herpes Zoster und Post-Zoster-Neuralgie ist bei HIV-positiven indiziert. Seit 2018 steht ein rekombinanter, adjuvantierter Untereinheiten-Totimpfstoff zur Verfügung. Die Zulassung besteht für HIV-Positive und Menschen mit anderen Immundefekten ab 50 Jahren, für Immungesunde ab 60 Jahren. Die Impfung erfolgt mit 2 Dosen zu den Zeitpunkten 0 und 2 Monaten. Eine subkutane Gabe sollte wegen starker Lokalreaktionen vermieden werden.

  • Meningokokken-Erkrankungen sind in Deutschland selten, doch HIV-Positive haben ein erhöhtes Risiko. Bei Immundefekt ist eine Verwendung von Konjugatimpfstoffen empfohlen. Bei HIV-Positiven sollte für die Grundimmunisierung gegen 4 Serogruppen (MenACWY) zumindest bei ausgeprägtem Immundefekt (CD4

  • Das Risiko für Pneumokokkenerkrankungen nimmt mit dem Ausmaß des Immundefekts zu. Gleichzeitig ist das Ansprechen auf die Impfung PCV13 und PPSV23 auch bei niedrigen CD4+-Helferzellen nicht beeinträchtigt. Daher sollte die Impfung sofort nach HIV-Diagnose erfolgen.

  • HIV-Positive zählen bei einer Influenza-Infektion zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Die jährliche Influenza-Impfung ist daher für HIV-Infizierte eindeutig empfohlen. Allerdings ist die mäßige Effektivität der Vakzine durch Immundefekte zusätzlich eingeschränkt. Daher ist die Impfung für Personen im nahen Umfeld ebenfalls indiziert.

  • Beim Risiko für FSME unterscheiden sich HIV-Positive nicht von der Allgemeinbevölkerung.