Impf-Kritiker wollen sogar Hunde und Katzen vor Autismus schützen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Anti-Impfbewegungen haben sich sogar der Haustiere angenommen, etwa der Hunde. Begründet werden Kampagnen gegen das Impfen der Haustiere sogar mit jenem Argument, das seit Jahren gegen das Impfen von Kindern vorgebracht wird: Impfen fördere Autismus. 

Hintergrund

Seit vielen Jahren warnen Kinderärzte, Infektiologen, Politiker und die WHO vor Impflücken und den möglichen Folgen, etwa einer Infektion mit Masern-Viren. Die mangelnde Bereitschaft mancher Menschen, sich oder die eigenen Kinder impfen zu lassen, hat sicher mehrere Gründe. Einen erheblichen Beitrag dazu hat der Brite Andrew Wakefield vor 20 Jahren mit einer Studie geliefert, aus der er einen Zusammenhang zwischen Masernimpfungen und Autismus ableitete. 2010 wurde ihm durch die britische Ärztekammer die Berufserlaubnis als Chirurg entzogen, da er seine Studie gefälscht hatte. Die Studie wurde zurückgezogen. Wakefield hat allerdings seinen Kreuzzug gegen das Impfen, bei dem er auch von einigen „Prominenten“ unterstützt wird, nicht aufgegeben. Mit dem Film „Vaxxed“, der letztes Jahr in deutschen Kinos gezeigt wurde, versuchte er erneut, eine Verbindung zwischen Impfung und Erkrankung zu konstruieren. Im Mittelpunkt des Filmes stehen dabei der Masern-Mumps-Röteln(MMR)-Impfstoff und der Konservierungsstoff Thiomersal, die laut Film das Risiko für Autismus erhöhten. Alle verfügbaren Metaanalysen, die auch vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI - oberste Zulassungsbehörde für Impfstoffe in Deutschland) veröffentlicht wurden, zeigen allerdings, dass es keinen Zusammenhang zwischen den MMR-Impfstoffen, diesem Konservierungsstoff und der Entstehung von Autismus und anderen neurologischen Erkrankungen gibt. Menschen sind aber nicht nur rationale Wesen; aus Angst vor Impfschäden etwa verzichten weiterhin zu viele Menschen darauf, nicht nur sich und ihre Kinder impfen zu lassen.

Aktuelle Ereignisse

Inzwischen haben Anti-Impfbewegungen sich sogar der Haustiere, vor allem der Hunde, angenommen, in den USA, aber auch in Europa. Denn auch Hunde werden bekanntlich geimpft, etwa gegen Staupe, Tollwut, Hepatitis und Leptospirose. Die Kontroverse scheint eine unendliche zu werden, wie auch eine Twitter-Diskussion aus Großbritannien zeigt. So hat die in Großbritannien beliebte TV-Show „Good Morning Britain” kürzlich per Twitter Hundebesitzer um Meinungen und Informationen gebeten, die ihren Vierbeiner nicht mehr impfen lassen oder der Ansicht seien, ihr Hund zeige nach einer Impfung Autismus-Symptome. Auf Twitter hat dies erwartungsgemäß zu regen Diskussionen geführt und den TV-Verantwortlichen unter anderem den Vorwurf eingebracht, Ängste zu schüren. Unmittelbar nach dem Twitter-Aufruf meldete sich auch der britische Tierärzteverband auf Twitter mit der Stellungnahme, dass es keine wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang zwischen Impfungen bei Hunden und Autismus gebe. Außerdem würden die sehr seltenen Nebenwirkungen von Impfungen durch den enormen Nutzen mehr als wett gemacht. Auch die britische Behörde, die tiermedizinische Produkte und eben auch Impfstoffe prüft, hat dazu eine klare Meinung: Der Nutzen überwiege deutlich die Risiken.  Hunde könnten keinen Autismus bekommen, twitterte unter anderen der Arzt und EU-Abgeordnete Vytenis Andriukaitis. Andere wie die britische Tierschützerin Catherine O’Driscoll verweisen darauf, dass sie zwar nicht generell gegen das Impfen von Hunden seien, aber Zweifel an der Notwendigkeit mancher Impfungen hätten, für die sich Tierärzte und Impfstoff-Hersteller aus nachvollziehbaren Gründen stark machten. Manche Demenz bei einem Hund sei möglicherweise eine Komplikation einer Impfung, twitterte Catherine O’Driscoll auch.

Klinische Bedeutung

Die klinische Bedeutung der Bewegungen gegen das Impfen von Haustieren besteht natürlich darin, dass sich auch Haustiere vermehrt an vermeidbaren Infektionen erkranken könnten. Inbesondere im Falle der Tollwut wäre dies angesichts der geringen Therapie-Optionen allerdings auch für Menschen eine große Gefahr. Außerdem: Eine sachliche und kritische Auseinandersetzung mit dem Impfen von Hunden und Katzen ist zwar selbstverständlich nicht falsch; mit der „Warnung“ vor Autismus bei Hunden hat man aber die Grenzen der Sachlichkeit offenbar überschritten.