Immunologische Studie misst Einfluss der Impfabstände auf die Immunantwort gegen SARS-CoV-2

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer immunologischen Studie wurden die Auswirkungen variabler Impfabstände auf die Antikörperbildung und die T-Zell-Antwort durch Kombinationen der COVID-19-Vakzinen BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) und ChAdOx1 (AstraZeneca) bestimmt. Demnach führt die Verlängerung von 4 auf 12 Wochen zu einer stärkeren humoralen Immunantwort und mit der homologen BNT162b2-Impfung zu einem langsameren Abbau der Antikörper. Die T-Zell-Antwort nach der 2. Dosis wird jedoch durch den größeren Impfabstand sowie BNT162b2 als 2. Dosis verringert.

Hintergrund

Wie gut eine Impfung vor Infektionen und/oder dem Ausbruch einer Krankheit schützt, hängt von vielen Faktoren ab. Zwei davon sind die Zahl der verabreichten Dosen und deren Abstände zueinander. Für die COVID-19-Vakzine wurden dazu weltweit unterschiedliche Regime erprobt, die teilweise auch durch Lieferschwierigkeiten erzwungen wurden. Im Rahmen der Com-COV-Studie hat man nun Impfabstände von 4 gegenüber 12 Wochen für die Vakzinen BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) und ChAdOx1 (AstraZeneca) miteinander verglichen.

Design

Randomisierte Studie mit verblindeten Teilnehmerdaten zur Immunogenität, die durch 4 heterologe Impfregime der Vakzinen BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) und ChAdOx1 (AstraZeneca) mit 4- bzw. 12-wöchigen Priming-Intervallen hervorgerufen wird. Teilgenommen haben 730 Personen ab 50 Jahren, für die zu Beginn bis Ende der Studie keine Hinweise auf eine SARS-CoV-2-Infektion vorlagen. Gemessen wurde die humorale und zelluläre Immunantwort 28 Tage und 6 Monate nach der zweiten Dosis anhand der Antikörperkonzentrationen bzw. der Titer, die zur Neutralisation pseudotypischer Viren nötig waren.

Ergebnisse

  • Gemessen an den IgG-Antikörpern gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 wurde bei beiden homologen Impfregimen durch Impfabstände von 12 Wochen eine stärkere Immunantwort erzielt als mit 4 Wochen. Für 2 x BNT162b2 waren dies im geometrisches Mittel 19011 gegenüber 14349 ELISA-Einheiten/mL, und für 2 x ChAdOx1 2622 gegenüber 1444.
  • Bei heterologen Impfschemata gab es lediglich für die Kombination BNT162b2–ChAdOx1 28 Tage nach der 2. Dosis einen signifikanten Unterschied zwischen den Intervallen. Er betrug 10642 (12 Wochen) gegenüber 7530 Einheiten (4 Wochen), was einem adjustierten mittleren geometrischem Verhältnis von 1,37 entspricht.
  • Im Vergleich 6 Monate gegenüber 4 Wochen nach der 2. Dosis waren die IgG-Werte für alle 8 untersuchten Kombinationen auf etwa ein Fünftel gefallen, lediglich für 2 x BNT162b2 ergab sich in der adjustierten Analyse ein geringfügig langsamerer Rückgang der Antikörper-Konzentrationen.
  • Gemessen an den Titern zur Neutralisation erwiesen sich alle Impfschemata mit 12-wöchigen Intervallen 28 Tage nach der 2. Dosis als überlegen gegenüber 4-wöchigen Impfabständen. Hier betrugen die Verhältnisse der geometrischen Mittelwerte für:
    • 2 x BNT162b2: 1,4
    • ChAdOx1–BNT162b2: 1,5
    • BNT162b2–ChAdOx1: 1,6
    • 2x ChAdOx1: 2,4
  • Bezüglich der Antikörperantwort blieb die homologe Impfung mit BNT162b2 die beste.
  • Die T-Zell-Antworten waren bei allen Impfschemata mit 12 Wochen Abstand geringer als mit 4 Wochen Abstand. Für die Kombinationen 2 x BNT162b2 und ChAdOx1 nCoV-19–BNT162b2 betrug diese Reduktion bis zu 80 %.

Klinische Bedeutung

In Deutschland sind mittlerweile 5 verschiedene Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zugelassen; 2 davon wurden hier im Detail und in mehreren Kombinationen untersucht. Eine definitive Antwort, welches Impfregime das beste ist, kann diese Analyse nicht leisten. Sie unterstützt nach Meinung der Autoren jedoch die Entscheidung, die von vielen nationalen Impfprogrammen auch aufgrund logistischer Probleme getroffen wurde, nämlich die Impfabstände flexibel zu handhaben.

Finanzierung: UK Vaccine Taskforce und National Institute for Health and Care Research.