Immer weniger Jugendliche in Deutschland trinken regelmäßig Alkohol

  • The Lancet/Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Aktuellen internationalen Studien-Daten zufolge ist der Alkohol-Konsum der Weltbevölkerung von 1990 bis 2017 um 70 Prozent gestiegen. Die Wissenschaftler der im „Lancet“ publizierten Studie vermuten, dass der Konsum in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird. Das sind die schlechten Nachrichten. Die guten Nachrichten lauten: In Osteuropa hat der Konsum stark abgenommen. Gesunken ist auch der Anteil der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland, die regelmäßig Alkohol trinken, wie eine aktuelle nationale Studie zum „Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2018“ zeigt.

Starke Zunahme in Ländern mit mittlerem Einkommen

1990 betrug der pro-Kopf-Konsum im Mittel 5,9 Liter (reiner Alkohol), 2017 waren es dann 6,5 Liter. Während der Alkohol-Konsum in Europa sinkt, steigt der weltweite Durchschnitt an – vor allem Länder mit mittlerem Einkommen haben in den vergangenen drei Jahrzehnten zugelegt. Insbesondere Südostasien und China führen die Tendenz des globalen Anstiegs an. Die höchsten Wachstumsraten verzeichneten Indien und Vietnam. 

Alkohol-Konsum in Osteuropa gesunken

Noch ist Europa zwar Spitzenreiter mit einem pro-Kopf-Konsum von 9,8 Litern Alkohol jährlich, Südostasien liegt mit 4,7 Litern weit darunter; doch die Zunahme in dieser Region zwischen 1990 und 2017 um 104 Prozent lässt vermuten, dass 2030 Europa beim Alkohol-Konsum eingeholt wird. Einige Regionen jedoch machen Hoffnung: Osteuropas Konsum hat stark abgenommen. In Deutschland hat der Konsum leicht abgenommen. 1990 betrug der pro-Kopf-Konsum rund 16 Liter reinen Alkohols, 2017 noch 13 Liter.  2030 werde er knapp 12 Liter betragen, so die Prognose.

Alkohol-Konsum Jugendlicher auf historisch niedrigem Stand

Eine gute Nachricht hat gerade die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verkünden können. Laut einer repräsentativen Umfrage zum Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2018 konsumieren aktuell 8,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig Alkohol, also mindestens einmal wöchentlich. Das ist ein historisch niedriger Stand. In dieser Altersgruppe lag dieser Wert im Jahr 2004 noch bei 21,2 Prozent. Unter jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren geben aktuell 33,4 Prozent an, regelmäßig Alkohol zu trinken. Dies ist ein seit dem Jahr 2014 gleichbleibender Wert. Gestiegen ist in dieser Altersgruppe jedoch der Anteil der Rauschtrinker.

Höhere Steuern und ein Verkaufsverbot an unter 18-Jährige

Trotz auch positiver Entwicklungen gibt es Wissenschaftlern zufolge keine Entwarnung. Maßnahmen gegen einen zu hohen Alkohol-Konsum gelten weiterhin als notwendig. So schlagen zum Beispiel die Autoren der „Lancet“-Studie eine höhere Besteuerung, Einschränkungen in der Verfügbarkeit oder Werbeverbote vor. Im Vergleich zu anderen Ländern seien alkoholische Getränke in Deutschland aufgrund der geringen Besteuerung zu billig und zu leicht für Jugendliche erhältlich, hat erst kürzlich auch die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) kritisiert. Die Allianz, ein Zusammenschluss von 22 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, fordert daher höhere Steuern und ein Verkaufsverbot an Jugendliche unter 18 Jahren. „Wir brauchen noch viel mehr Aufklärung – auch die alkoholproduzierende Industrie sollte dabei in die Pflicht genommen werden, etwa indem Risikohinweise auf alkoholischen Getränken verbindlich werden“, so auch Professor Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Jugendliche im Wachstum sollten möglichst gar nichts trinken, da Alkohol die Entwicklung beeinträchtigen und beispielsweise zu einem geringeren Hirnvolumen führen kann.