Immer weniger Hausarztbesuche in Deutschland

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Berlin (pag) – Bundesweit nimmt die Zahl der Hausbesuche von Ärzten immer weiter ab. Waren es 2009 noch 30,3 Millionen Hausarztbesuche bei gesetzlich Versicherten, sank die Zahl 2016 auf nur noch 25,1 Millionen. Laut Hochrechnung für 2017 muss von einem weiteren Rückgang ausgegangen werden – so die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.

Während Ärzte in Westfalen-Lippe die wenigsten Hausbesuche absolvierten (im Mittel 349), habe es in der Vergangenheit die meisten im Saarland gegeben (im Mittel 894 Visiten pro Jahr und Arzt). 

Als Grund vermutet Achim Kessler, Gesundheitsexperte der Linkspartei, die Angst der Ärzte vor finanziellen Nachteilen. So werde zum Beispiel in Hessen von einer unabhängigen Prüfstelle errechnet, wie oft ein Arzt einen Hausbesuch machen dürfe. Dazu würden Arztpraxen aus dem gesamten Bundesland herangezogen und ein Durchschnitt ermittelt. Problematisch sei, dass Praxen mit eingerechnet würden, die in Ballungsräumen liegen, wo keine Hausbesuche mehr erfolgten. Betroffene Praxen, die weit über dem Landesdurchschnitt liegen, müssten befürchten, abgerechnete Honorare zurückzuzahlen. Dabei seien nicht die wenigen Fälle gravierend, bei denen Rückzahlungen geleistet werden müssten. Problematisch sei vielmehr die Höhe der Rückzahlungen – rund 50.000 Euro könnten anfallen. Dies habe auf die Ärzteschaft eine abschreckende Wirkung. In der Folge würden Ärzte immer weniger Hausbesuche machen, dadurch werde die Versorgung in der Fläche gefährdet, so das Fazit Kesslers. Alte und Immobilie seien jedoch auf den ärztlichen Besuch im eigenen Heim angewiesen.

Der Bundesregierung zufolge ist es Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen, die ärztlichen Leistungen auf ihre Wirtschaftlichkeit hin zu überprüfen. Ob dies nach Durchschnittswerten geschehe oder anderen Kriterien, sei bundesweit unterschiedlich und nicht zwingend. Wie dies ausgestaltet werde, liege allein im Verantwortungsbereich der jeweiligen KVen und Kassen. Daher fordert die Linke von der Bundesregierung die Festlegung einheitlicher Kriterien für die Wirtschaftlichkeitsprüfung. „Die neuen Zahlen müssen für die Politik, die Krankenkassen und die ärztliche Selbstverwaltung der Startschuss sein, endlich die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren“, sagt Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.