Immer seltener genutzt: Hämoccult-Tests zur Darmkrebsfrüherkennung

  • Barmer Krankenkasse

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft  

Die Abrechnungsdaten von gesetzlich Versicherten aller Kassen zeigen: Immer weniger Menschen in Deutschland nehmen die Darmkrebsfrüherkennung per Hämoccult-Test in Anspruch. Im Gegenzug steigt die Zahl der Koloskopien.  

Hintergrund  

Dickdarmkrebs ist die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Im Jahr 2014 erkrankten zirka 33.000 Männer und rund 28.000 Frauen neu daran. Das Risiko steigt mit fortschreitendem Alter stetig an - mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankt ab dem 70. Lebensjahr. Nur etwa 10 Prozent aller Darmkrebsdiagnosen werden vor dem 55. Lebensjahr gestellt, also vor dem Alter, in dem man Anspruch auf die von der gesetzlichen Krankenversicherung angebotenen Koloskopie hat. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung können GKV-Patienten im Alter von 50 bis 54 Jahren jährlich einen Hämoccult-Test auf verstecktes Blut im Stuhl durchführen lassen.  

Wichtigste Ergebnisse  

Immer weniger Menschen in Deutschland nehmen an der Untersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung teil. 2016 ließen 11,4 Prozent weniger Männer und Frauen Hämoccult-Tests durchführen als noch 2012: Im Jahr 2016 waren es noch gut 3,4 Millionen, vier Jahre zuvor knapp 3,9 Millionen Menschen ab 50 Jahren. Das geht aus einer Analyse der Abrechnungsdaten von gesetzlich Versicherten aller Kassen hervor, die die Barmer-Krankenkasse durchführte. Koloskopien zur Früherkennung haben dafür deutlich zugenommen: Ihre Zahl stieg von 2012 bis 2017 deutschlandweit um knapp 20 Prozent auf rund 467.000.  

Klinische Bedeutung  

Zu den rückläufigen Zahlen bei der Inanspruchnahme von Hämoccult-Tests gibt es verschiedene Expertenmeinungen. Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer der Barmer in Hamburg, hält es für erschreckend, dass immer weniger Menschen die Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch nehmen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Darmkrebs bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung und bei Frauen die zweithäufigste ist. Werde ein Tumor rechtzeitig erkannt, könne die Gefahr zum Beispiel durch die Entfernung von Polypen im Darm gebannt werden.  

Andreas Block, Internist und Gastroenterologe in Hamburg, sieht diesbezüglich jedoch kein Alarmsignal. Seines Erachtens ist der Hämoccult-Test ohnehin nicht sehr zuverlässig. Die Fehlerquote liege bei 20 bis 30 Prozent, so der Facharzt, der unter anderem den Bereich Prävention am Universitären Krebszentrum leitet. Teilnehmende Patienten könnten nicht sicher sein, dass sie bei einem negativen Ergebnis tatsächlich gesund sind. Zudem könne der herkömmliche Stuhltest nicht zwischen menschlichem und tierischem Blut unterscheiden. Schon der Verzehr eines Mettbrötchens am Vortag könne zu einem positiven Ergebnis führen.  

Eine Alternative sieht Block im neuen, weniger störanfälligen immunologischen Stuhltest. Dieser funktioniert über Antikörper, die sich nur an den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin binden. Blut im Stuhl kann jedoch auch aus Hämorrhoiden oder Fissuren stammen. Block: „Es ist immer noch besser, als wenn man nichts macht, aber viel besser ist natürlich die Darmspiegelung.“ Die Koloskopie sei der "Goldstandard". Ärzte könnten auf diese Weise 98 Prozent der Tumore im Ansatz erkennen und die Polypen auch gleich entfernen.  

Auf eine Koloskopie haben GKV-Patienten ab 55 Jahren Anspruch, auf eine weitere zehn Jahre später. Diese Regelung, die seit 2002 gilt, kann laut Block zu dem Rückgang bei dem Stuhltest geführt haben. Tatsächlich haben die Koloskopien zur Früherkennung deutlich zugenommen, wie die Analyse der Barmer zeigt. Die Zahl der Untersuchungen stieg von 2012 bis 2017 deutschlandweit um knapp 20 Prozent. Die absolute Zahl der Teilnehmer ist mit rund 467.000 gesetzlich Versicherten aber bei weitem nicht so groß wie beim Hämoccult-Test. Allerdings habe man nach einer Darmspiegelung ohne Befund zehn Jahre Ruhe, weil Polypen nur sehr langsam wachsen, erklärte Block.  

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) fordert, die Koloskopie zur Darmkrebsfrüherkennung Patienten bereits ab 50 Jahren anzubieten, weil die Häufigkeit der Erkrankung insbesondere bei Männern bereits in diesem Alter deutlich ansteigt. Das Bundesgesundheitsministerium hat darauf im Oktober reagiert. Ab April 2019 bekommen Männer ab 50 Jahren wahlweise eine Darmspiegelung oder den Hämoccult-Test von den Kassen bezahlt. Für Frauen wird die Koloskopie zur Früherkennung ab 55 Jahren übernommen.