IGeL-Kontroverse zwischen Kassen und Ärzten

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Berlin (pag) – Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) verkündet, dass mehr als jedem vierten GKV-Versicherten (28,9 Prozent) in den letzten zwölf Monaten eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten wurde. Gegen die übliche Schelte wehren sich Ärzte auf Twitter.

Dort schreibt etwa Dr. Christian Lübbers: „Ich könnte ausflippen, wenn Krankenkassen, die Homöopathie bezahlen, sich über IGeL-Abzocke echauffieren. Wie wär‘s denn, man müsste Homöopathie selbst zahlen und stattdessen würden alle Krankenkassen die Hautkrebsvorsorge, PSA-Wert oder die Meningokokken-B-Impfung erstatten?!?“ Bemerkenswert ist die Reaktion von Roland Engehausen, Vorstand IKK Südwest. Er antwortet: „Ja, stimmt. Ihr kritischer Hinweis in diesem Zusammenhang ist nachvollziehbar.“

Dem aktuellen WIdO-Monitor zufolge hängt das Angebot des Arztes stark vom Einkommen und der Schulbildung des Patienten ab. Bei den Befragten mit einem Haushaltseinkommen unter 2.000 Euro wurden 21,6 Prozent von ihrem Arzt auf IGeL angesprochen, bei Personen mit einem Haushaltseinkommen über 4.000 Euro waren es 35,4 Prozent.

Der IGeL-Markt ist dem WIdO zufolge lukrativ: Auf Basis einer Hochrechnung der Versichertenangaben ergebe sich ein Volumen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Die Kosten für eine angebotene IGeL-Leistung belaufen sich im Durchschnitt auf 74 Euro. Allerdings gibt es große Preisunterschiede: Die Hälfte der Leistungen koste maximal 48 Euro, für manche Leistungen werden aber hohe dreistellige und sogar vierstellige Beträge genannt.

Rund drei von vier IGeL-Angeboten (72 Prozent) kommen von fünf Facharztgruppen. Spitzenreiter sind die Frauenärzte: Auf sie entfallen rund 28 Prozent der privatärztlichen Leistungen. Danach folgen Augenärzte mit einem Anteil von 22 Prozent, Orthopäden (13 Prozent), Hautärzte (sechs Prozent) und Urologen (drei Prozent). Praktische Ärzte und Allgemeinmediziner erreichen zusammen 19 Prozent.

Der WIdO-Monitor basiert auf einer repräsentativen Umfrage mit über 2.000 Teilnehmern in Deutschland.