IDWeek 2018 – 46 % der Antibiotika-Verordnungen erfolgte ohne Infektionsdiagnose


  • Emily Willingham, PhD
  • Conference Reports
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Erkenntnis

  • Auf der IDWEEK 2018 wurden zwei zusammengehörige Studien vorgestellte, die die Widersprüchlichkeit in der Antibiotikaverordnung hervorhoben:
    • Die Ärzte in der Grundversorgung wissen, wie wichtig Antibiotikaresistenz und unangemessener Antibiotikaeinsatz für die öffentliche Gesundheit sind und trotzdem
    • werden fast die Hälfte der ambulanten Antibiotikaverordnungen ausgestellt, ohne dass eine Infektion diagnostiziert wurde.

Warum das wichtig ist

  • „Wir haben herausgefunden, dass Ärzte in etwa der Hälfte aller Fälle einen schlechten oder gar keinen Grund zur Verordnung von Antibiotika haben“, sagte der Hauptautor der Studie Dr. Jeffrey A. Linder, MPH, und Leiter der Abteilung für allgemeine innere Medizin und Geriatrie an der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago (Illinois, USA). „Viele Menschen sind überzeugt, dass es ihnen ohne Antibiotikum nicht besser gehen wird. Sie gehen zum Arzt, um es sich verschreiben zu lassen.“

Wesentliche Ergebnisse

  • 46 % der Antibiotikaverordnungen werden ausgestellt, ohne dass eine Infektion diagnostiziert wurde.
    • 29 % werden aus anderen Gründen als Infektion verordnet, beispielsweise hoher Blutdruck.
    • Bei 17 % wird gar keine Indikation angegeben.
    • 20 % werden ausgestellt, ohne dass der Patient beim Arzt war, die Hälfte davon per Telefon.
  • In einer zweiten Studie wiederum machten Ärzte in der Grundversorgung deutlich, wie wichtig eine angemessene Verordnung und Antibiotikaresistenz sind:
    • Die in der zweiten Studie untersuchten 52 Ärzte sehen dieses Problem jedoch vorrangig in den Krankenhäusern oder Notfallambulanzen oder sie führen die Nachfrage durch Patienten als Grund an. 
    • Sie fürchten, dass einige Ärzte versuchen werden, die Antiinfektivaverordnungsprogramme (Antibiotic Stewardship, ABS) auszutricksen, um bessere Punkte zu erreichen.

Studiendesign

  • In der ersten Studie untersuchten die Forscher 509.534 Antibiotikaverordnungen für 279.169 Patienten, die 2.413 Ärzte an 514 Kliniken von November 2015 bis Oktober 2017 ausgestellt hatten.
  • In der zweiten Studie führten sie in 4 US-amerikanischen Städten Gruppendiskussionen mit 52 Hausärzten und Internisten durch.
  • Finanzierung: Agency for Healthcare Research and Quality.

Einschränkungen

  • Konferenzvortrag, kein Peer-Review.