ICD: Kein Überlebensvorteil von Herzinsuffizienten mit chronischer Nierenkrankheit


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die Gesamt-Mortalität von Herzinsuffizienten mit chronischer Nierenkrankheit war bei Patienten mit einem implantierten Defibrillator (ICD) nicht vermindert. Außerdem war bei ICD-Trägern sogar die Rate der Klinik-Aufnahmen größer.

Hauptergebnisse

Beim Parameter Gesamt-Mortalität ergaben die Berechnungen keinen signifikanten Unterschied zwischen ICD-Trägern und Patienten ohne ICD (adjustierte HR 0,96; 95% CI 0,87 - 1,06).  Parameter wie zum Beispiel Begleiterkrankungen und kardiovaskuläre Medikation waren dabei berücksichtigt worden. 

ICD-Träger mussten häufiger wegen der Herzinsuffizienz stationär behandelt werden (adjustiertes relatives Risiko 1,49; 95% CI 1,33 - 1,60). Dies galt auch für Klinik-Aufnahmen unabhängig vom Grund (adjustiertes relatives Risiko 1,25; 95% CI 1,20 - 1,30).

Design

Nicht-interventionelle Kohorten-Studie mit 5877 Patienten (4049 Männer und 1828 Frauen) mit Herzinsuffizienz ( 40%) und  chronischer Nierenerkrankung (eGFR 60 ml/min). Die Patienten waren im Mittel knapp 73 Jahr alt. 1556 hatten einen ICD, 4321 hatten keinen. 

Finanzierung: Der US-Staat (National Heart, Lung, and Blood Institute, National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, US Department of Health and Human Services)

Klinische Bedeutung

Patienten mit einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung haben ein erhöhtes Risiko, an einer Herzrhythmusstörung zu sterben. Ob ein ICD die Prognose verbessert, hängt wahrscheinlich auch vom Schweregrad der Nierenerkrankung ab. Die Patienten der aktuellen Studie hatten nach Angaben der Autoren überwiegend moderat schwere Nierenerkrankungen. Ob die Ergebnisse für alle herzinsuffizienten Patienten mit chronischer Nierenkrankheit gelten, ist mit dieser Studie daher nicht geklärt. Außerdem: Die Patienten dieser Studie waren mit durchschnittlich 73 Jahren vergleichsweise alt, über 40 Prozent von ihnen waren älter als 75. In den ICD-Primärpräventions-Studien waren die Patienten meist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Es ist anzunehmen, dass das höhere Alter die Gesamt-Mortalität beeinflusst hat, und zwar in dem Sinne, dass der Nutzen eines ICD dadurch geschwächt worden ist. Begrenzt wird die Gültigkeit der Studien-Ergebnisse auch dadurch, dass nur rund ein Drittel der Patienten mit Herzinsuffizienz eine KHK hatten, die meisten hatten eine nicht-ischämische Kardiomyopathie.

Die Frage nach dem Nutzen eines ICD für Herzinsuffiziente mit chronischer Nierenkrankheit erfordert nach Einschätzung der Autoren eine prospektive und kontrollierte Studie.