Hyperthermische intraperitoneale Chemotherapie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom erfolgreich


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die vermutlich bislang größte Studie zum Nutzen einer zusätzlichen hyperthermischen intraperitonealen Chemotherapie (HIPEC) bei Frauen fortgeschrittenen Ovarialkarzinomen ist erfolgreich verlaufen und hat gegenüber einer alleinigen primären zytoreduktiven Operation die mediane Überlebenszeit um etwa 15 Monate verbessert.

Hintergrund

Bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinomen deuten erste Studien darauf hin, dass nach der Chemotherapie die Kombination aus einer zytoreduktiven Operation und einer hyperthermischen intraperitonealen Chemotherapie (HIPEC) die Ergebnisse verbessern könnte. Bisher gab es aber noch keine groß angelegten, multizentrischen Studien zum Vergleich von HIPEC mit einer primären zytoreduktiven Operation (PCS).

Design

Kohortenstudie mit 584 Patientinnen (Durchschnittsalter 55 Jahre) mit Ovarialkarzinomen des Stadiums 3 an 5 chinesischen Institutionen zwischen Januar 2010 und Mai 2017. Die mediane Nachverfolgungszeit betrug 42,2 Monate.

Ergebnisse

  • 425 Patientinnen erhielten HIPEC plus PCS, 159 lediglich eine PCS.
  • Nach Adjustierung mit der „inverse probability of treatment weighting“-Methode betrugen die medianen Überlebenszeiten im Gesamtkollektiv für
    • HIPEC plus PCS: 49,8 Monate (95%-Konfidenzintervall 45,2 – 60,2), und
    • PCS alleine: 34,0 Monate (95%-KI 28,9 – 41,5), und
  • der Anteil überlebender Frauen nach 3 Jahren
    • HIPEC plus PCS: 60,3 % (95%-KI 55,3 – 65)
    • PCS alleine: 49,5 % (95%-KI 41,0 – 57,4)
  • Das gewichtete Chancenverhältnis zugunsten der Kombinationsbehandlung betrug 0,64 bei einem 95%-KI von 0,50 – 0,82 (P
  • Für Patientinnen, bei denen eine vollständige Operation möglich war, war die Kombination gegenüber alleiniger PCS ebenfalls überlegen:
    • mediane Überlebenszeit 53,9 versus 42,3 Monate
    • 3-Jahres-Überleben 65,9 versus 55,4 % (P = 0,04)
  • Auch nach suboptimalen Operationen ( > 1 cm) war die Kombination bezüglich der medianen Überlebenszeit signifikant besser (29,2 versus 19,9 Monate; P = 0,03), der Trend bei 3-Jahres-Überleben aber nicht mehr (44,3 versus 36,7 %; P = 0,19).

Klinische Bedeutung

Zwar wurden in dieser Studie keine Daten zur Lebensqualität erhoben, und die Aussagekraft wird eingeschränkt durch das retrospektive Design, dass zu einer Selektionsverzerrung geführt haben könnte. Bezüglich des Überlebens war die zusätzliche Anwendung der hyperthermischen intraperitonealen Chemotherapie in der Analyse aber für das Gesamtkollektiv eindeutig vorteilhaft. Zumindest für jene Patientinnen mit kompletter PCS sei diese Vorgehensweise daher eine wertvolle Therapie, bilanzieren die Autoren. In einem Kommentar bestätigen 3 Gynäkologen / Onkologen der University of Chicago diesen Erfolg und verweisen auf das ungewöhnliche HIPEC-Therapieregime in der aktuellen Studie (50 mg/m2 Cisplatin an Tag 1, 3 und 5), das wider erwarten nicht zu vermehrten Toxizitäten des Grades 3 und 4 geführt habe.

Finanzierung: Guangzhou Key Medical Discipline Construction Project Fund, Guangzhou High-Level Clinical Key Specialty Construction, Provinz Guangdong und National Natural Science Foundation of China.