Huntington-Erkrankung: Metformin scheint wirksam

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  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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  Kernbotschaft  
  Gegen Chorea Huntington, eine fortschreitende Erkrankung des Zentralnervensystems, existiert bislang keine Therapie. Die Patienten sterben innerhalb von 10 bis 15 Jahren nach Ausbruch der Erbkrankheit. Jetzt ist ein Hoffnungsschimmer in Sicht: Das Diabetesmedikament Metformin könnte den Verlauf der Huntington-Erkrankung stoppen. Darauf weisen zumindest Tierversuche hin.    
  Design  
  Seit den 1990er Jahre ist bekannt, dass ein vererbbarer Gendefekt zur Huntington-Erkrankung führt. Circa die Hälfte der Patienten gegen die Erkrankung an ihre Kinder weiter. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz um Isabelle Arnoux vom Institut für Pathophysiologie überprüften mit Hilfe hochauflösender Zwei-Photonen Mikroskopie an Mäusen ihre Hypothese, dass das durch einen Gendefekt veränderte Eiweiß bereits lange vor der ersten Krankheitsmanifestation kleine Schäden im Gehirn verursacht und diese das neuronale Netzwerk subtil stören. Im Anschluss untersuchten sie an erkrankten und gesunden Mäusen das Diabetesmedikament Metformin, von dem bekannt ist, dass es auch neuroprotektive Wirkung haben kann. Die Studie wurde finanziell gefördert vom European Huntington Disease Network.  
  Hauptergebnisse  
  Im Gehirn der Mäuse mit Huntington-Mutation waren im Gegensatz zu gesunden Tieren per Zwei-Photonen Mikroskopie tatsächlich einzelne Neuronen zu identifizieren, die deutlich aktiver als der Rest der Zellen waren. Diese einzelnen hyperaktiven Zellen verschoben die Aktivität des gesamten neuronalen Netzwerkes in Richtung Hyperaktivität. Die Krankheit, die in der Regel im mittleren Lebensalter ausbricht, führt im Frühstadium zu subtilen Persönlichkeitsveränderungen und Konzentrationsstörungen. Im manifesten Stadium tritt neben psychiatrischen Symptomen wie Depressionen und Demenz eine Bewegungsstörung auf, im Fachjargon Chorea. 
  Durch Metformin-Gabe ließen sich die frühen Veränderungen des neuronalen Netzwerks ebenso wie Verhaltensauffälligkeiten der Mäuse beseitigen.   

Klinische Bedeutung

  Die Ergebnisse der Tierversuche legen nahe, dass eine Behandlung der sehr früh auftretenden neuronalen Störungen nötig ist, um die schwere, progressive Erkrankung des Zentralnervensystems bei Chorea Huntington zu stoppen. Eine frühzeitige Metformin-Gabe lange bevor die Krankheit ausbricht scheint dabei eine Therapieoption zu sein. In künftigen Studien ist noch genauer zu untersuchen, ob sich mit Metformin die später auftretenden Krankheitszeichen auch beim Menschen verhindern und Hirnnetzwerke stabilisieren lassen. Dazu ist an der Universitätsmedizin Mainz eine proof-of-concept Studie mit Huntington-Patienten geplant, die sich in einem frühen Krankheitsstadium befinden, um herauszufinden, ob die orale Gabe von Metformin zur Reduktion von krankheitsverursachendem Eiweiß führt.