HPV: Mehr als Warzen und Zervixkarzinome

  • Lancet

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernaussagen

  • Infektionen mit Humanen Pappilomviren (HPV) sind weit verbreitet und zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen.
  • Meist ist die Infektion transient, sie kann aber auch Ursache verschiedener Krebserkrankungen sein – allem voran für das Zervixkarziom
  • Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Hochrisiko-Gruppen für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren.
  • Für die Effektivität der Impfung und den Schutz vor HPV-assoziierten Erkrankungen spielt der Herdeneffekt eine wichtige Rolle.

Infektionen mit Humanen Papillomviren sind weit verbreitet und zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (1). Es ist davon auszugehen, dass das weltweite Risiko, sich mindestens einmal im Jahr mit HPV zu infizieren, sowohl bei Männern als auch bei Frauen bei 50 % liegt (2). Meistens handelt es sich um transiente Infektionen, die sich nach ein bis zwei Jahren nicht mehr nachweisen lassen (3). Humane Papillomviren können jedoch auch zu anogenitalen Warzen sowie zu verschiedenen Tumoren führen – allem voran dem Zervixkarzinom. Die weltweit am weitesten verbreiteten Virusvertreter sind HPV 16 und 18. Sie stellen gleichzeitig die Hauptvertreter da, die mit Krebs assoziiert sind. Gegen beide Virustypen stehen Impfstoffe zur Verfügung (1).

HPV kann Ursache verschiedener Krebserkrankungen sein

Unter den Krebserkrankungen, die mit HPV assoziiert sind, ist bei Frauen das Zervixkarzinom am häufigsten, das zu nahezu 100% mit HPV in Verbindung gebracht wird. Bei Frauen gibt es zudem Karzinome der Vulva, der Vagina, des Anus, der Mundhöhle und des Rachens, die zu unterschiedlichen Anteilen HPV-bedingt sind. Bei Männern zählen Penis- und Analkarzinome sowie Plattenepithelkarzinome der Mundhöhle und des Rachens zu den HPV-assoziierten Erkrankungen, wobei auch hier nur ein gewisser Anteil der Tumore HPV-bedingt ist (4).

Impfen schützt – aber wen?

In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung:

  • Ein zweivalenter Impfstoff gegen die Hochrisikotypen HPV16 und 18;
  • Ein neunvalenter Impfstoff gegen die Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58.

Die SITKO empfiehlt seit 2018 die Impfung gegen HPV nicht nur für Mädchen, sondern auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Es sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens 3 Jahren notwendig. Erfolgt die erste Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter, sind drei Impfungen notwendig. Eine Nachholimpfung sollte bis zu einem Alter von 17 Jahren erfolgen.

Ein systematischer Review des Robert Koch Instituts kommt zu dem Schluss, dass die HPV-Impfung bei Jungen und Männern nur eine moderate Effektivität aufweist, wenn sie ohne Rücksicht auf den HPV-Status durchgeführt wird. Eine höhere Effektivität wird beschrieben, wenn nur Studienteilnehmer analysiert werden, die bei der Impfung noch nicht mit HPV infiziert waren. Dies entspricht den Ergebnissen aus Studien zur HPV-Impfung bei Frauen (4). Eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass eine Impfstrategie bei Mädchen mit zwei- und viervalenten Impfstoffen einen substanziellen Einfluss auf die Zahl der HPV-Infektionen, der diagnostizierten anogenitalen Warzen sowie CIN2+ (zervikale intraepitheliale Neoplasien Grad 2+) hat. Multikohorten-Impfprogramme hatten einen schnelleren und stärkeren Einfluss und zeigten einen deutlicheren Herdeneffekt (5) .

HPV-Impfung gilt als sicher

Laut Bewertung der WHO gilt die HPV-Impfung als sicher. Basierend auf den Sicherheitsdaten aus einer Vielzahl von Ländern wurde als Risiko lediglich die Anaphylaxie (Häufigkeit ca. 1,7 pro 1 Mio. Impfdosen) sowie Synkopen als Ausdruck von Stress im Zusammenhang mit der Impfung beschrieben (6). Der vom Robert-Koch-Institut in Abstimmung mit der STIKO-AG HPV durchgeführte Review zeigte keine schweren unerwünschten Ereignisse nach HPV-Impfung von Jungen bzw. Männern in den Zulassungsstudien (4).