HPV-Jungenimpfung: Aktuelle Daten zu Impfeffektivität und Sicherheit


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) bei Jungen weist eine hohe Effektivität gegen genitale HPV-Infektionen und höhergradige anale intraepitheliale Neoplasien (AIN) auf. Vorausgesetzt die Jungen bzw. Männer sind bei Impfung noch nicht mit HPV infiziert. Zu diesem Ergebnis kommt ein systematischer Review, der die wissenschaftliche Grundlage für die Entscheidung der Ständigen Impfkommission (STIKO) darstellt, die HPV-Impfung jetzt auch für Jungen offiziell zu empfehlen. Die Ergebnisse – nachzulesen im Epidemiologischen Bulletin 26/18 des Robert Koch-Instituts (RKI) - zeigen außerdem keine schweren unerwünschten Ereignisse nach HPV-Impfung bei Jungen in den Zulassungsstudien. 

Hintergrund

Da HPV-Infektionen in der sexuell aktiven Bevölkerung sehr häufig sind, stellen HPV-assoziierte Karzinome bei fehlender HPV-Impfprävention eine relevante Krankheitslast dar. Nach Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) kann in Deutschland bei Männern pro Jahr von 1.600 bis 2.300 HPV-bedingten Anal-, Penis- und Oropharynx Karzinomen ausgegangen werden. Hinzu kommen die häufigen HPV-bedingten Genitalwarzen. Bei Infektionen mit HPV im Anogenitalbereich findet die Übertragung durch Geschlechtsverkehr statt; über orogenitale Sexualpraktiken ist eine Transmission in die Mundhöhle oder den Oropharynx möglich.

Design

Für die STIKO-Entscheidung zur Jungenimpfung wurde unter anderem die Krankheitslast durch HPV-assoziierte Tumore bei Männern in Deutschland abgeschätzt und eine systematische Literaturübersicht zu Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfung bei Jungen und Männern erarbeitet. Dazu wurden insgesamt 5.196 Einträge in Datenbanken und Registern identifiziert und vier randomisiert-kontrollierte Studien und drei nicht-randomisierte Studien eingeschlossen, die wiederum insgesamt 5.294 Studienteilnehmer umfassten. In allen sieben Studien wurde der viervalente Impfstoff (Gardasil®) verwendet. 

Hauptergebnisse

Die Daten des systematischen Reviews zeigen, dass die HPV-Impfung bei Jungen bzw. Männern nur eine moderate Effektivität gegen genitale HPV-Infektionen (anogenitale Infektionen durch HPV 16 (28 %) und HPV 18 (33,9 %); anale Infektionen (45,1 % gegen HPV 16; 49,5 % gegen HPV 18) und höhergradige AIN (AIN Grad II 61,9%) aufweist, wenn sie ohne Berücksichtigung des HPV- Infektionsstatus bei Impfung durchgeführt wird. Eine höhere Impfeffektivität wird beobachtet, wenn nur diejenigen Studienteilnehmer analysiert werden, die bei Impfung noch nicht mit HPV infiziert waren (von 41,1 % gegen inzidente anogenitale Infektionen mit HPV 16 bis 100 % gegen inzidente und persistierende anale Infektionen mit HPV 18). Darüber hinaus zeigten sich keine schweren unerwünschten Ereignisse nach HPV-Impfung bei Jungen bzw. Männern in den Zulassungsstudien. 

Therapeutischer Nutzen

Die Ergebnisse des systematischen Reviews entsprechen denjenigen aus Studien zur HPV-Impfung bei Frauen und favorisieren damit Impfstrategien, die Personen vor Beginn der sexuellen Aktivität als primäre Zielgruppe der HPV-Impfung wählen. Laut STIKO sollte daher die HPV-Impfung bei Jungen ebenfalls im Alter von 9 bis 14 Jahren durchgeführt werden. Insbesondere die Inanspruchnahme der J1-Vorsorgeuntersuchung biete sich dafür an, heißt es im Epidemiologischen Bulletin. Eine weitere Option für ein Impfangebot stelle auch die U11 (9 bis 10 Jahre) dar, wobei diese Vorsorgeuntersuchung nicht von allen Krankenkassen erstattet und daher nicht flächendeckend angeboten werde. Aktuell stehen in Deutschland mit Cervarix® und Gardasil®9 zwei verschiedene HPV-Impfstoffe für die Impfung des männlichen Nachwuchses zur Verfügung.