Hormonsensitives Prostatakarzinom: Enzalutamid verlängert das Überleben auch ohne Chemotherapie

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Männern mit metastasierten, hormonsensitiven Prostatakarzinomen verlängert die initiale systemische Therapie mit dem Androgen-Rezeptor-Inhibitor Enzalutamid, gegeben zusätzlich zu testosteronsupprimierenden Medikamenten wie Goserelin, im Vergleich mit einer Standardkombination die Zeit bis zum Progress und das Gesamtüberleben in klinisch relevantem Maße. Ein Vorteil besteht sowohl für Patienten, die zusätzlich Docetaxel erhalten, als auch bei Patienten ohne parallele Docetaxeltherapie.

Hintergrund

Die bilaterale Orchiektomie oder die systemische Unterdrückung der Androgenproduktion sind ein Standard beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC). Wenn es der Allgemeinzustand des Patienten zulässt, wird die Hormontherapie häufig mit Docetaxel ergänzt, da das Taxan das Tumorwachstum weiter abschwächt. Enzalutamid ist ein Androgen-Rezeptor-Inhibitor, der bereits in der Therapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms etabliert ist. Fragestellung einer großen Phase 3-Studie war nun, ob Enzalutamid als zusätzlicher Bestandteil einer First-Line-Therapie die Zeit bis zur Entwicklung einer Hormontherapieresistenz verzögert und damit das Gesamtüberleben verbessern kann.

Design
Prospektiv randomisierte Phase-3-Studie (ENZAMET), in die 1.125 Männer mit mHSPC eingeschlossen und randomisiert wurden in

  • eine Gruppe, die eine Testosteron-Suppression (Goserelin) plus ein nicht-steroidales Anti-Androgen (NSAA) der 1. Generation erhielt (Bicalutamid, Nilutamid oder Flutamid; n = 562), und eine
  • zweite Gruppe, die das NSAA Enzalutamid plus Testosteron-Suppression (n = 563) bekam.

Die zusätzliche Gabe von Docetaxel war möglich, 44 Prozent der Gesamtgruppe (n = 503) erhielten das Taxan. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (52,5 Prozent) hatte eine hohe Tumorlast mit viszeralen Metastasen und/oder mindestens 4 Knochenmetastasen.

Hauptergebnisse

Nach 36 Monaten waren 80 Prozent der Patienten im Enzalutamid-Arm am Leben und 72 Prozent unter Standardtherapie (Hazard Ratio für Tod: 0,67; p = 0,002). Das Risiko für einen Progress oder Tod reduzierte sich innerhalb von 48 Monaten um 60 Prozent (Hazard Ratio: 0,40; p

In der Enzalutamid-Gruppe, besonders aber bei Patienten mit zusätzlicher Docetaxel-Therapie, traten gegenüber dem Vergleichsarm mehr Nebenwirkungen auf: vor allem Bluthochdruck, Fatigue oder Synkopen.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt zum einen, dass die Androgenrezeptorblockade vermutlich das wichtigste therapeutische Wirkprinzip für diese Gruppe von Patienten ist. Zum anderen weisen die Daten daraufhin, dass sich durch die frühe Enzalutamid-Gabe die Behandlung mit Zytostatika und mit steroidalen Anti-Androgenen vermeiden, reduzieren oder zumindest hinauszögern lässt. Dies wird als klinisch relevant bewertet, weil sich die Lebensqualität der Patienten ohne Chemotherapie besser erhalten lässt.

Finanzierung: Astellas Pharma