Hormonersatztherapie bei Wechseljahrsbeschwerden: Transdermale Applikation ist am sichersten


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Frauen in der Menopause, die sich aufgrund von Wechseljahrsbeschwerden einer Hormonersatztherapie unterziehen, haben ein höheres Risiko, eine venöse Thromboembolie zu erleiden, als Frauen, die keine Hormonpräparate einnehmen. Dies gelte für Hormonformulierungen in Tablettenform, nicht aber für transdermale Präparate, so die Ergebnisse einer Studie der Universität Nottingham.

Hintergrund

Die Hormonersatztherapie wird eingesetzt, um eine Reihe von Symptomen zu verhindern, die viele Frauen während der Menopause verspüren, wie etwa Hitzewallungen und Nachtschweiß. Venöse Thromboembolien sind ein seltenes, aber ernsthaftes Risiko im Zusammenhang mit der Einnahme von Hormonpräparaten. Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) hatte daher im Jahr 2015 seine erste Leitlinie zur Diagnose und Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden publiziert, mit der Forderung Frauen über die Risiken und den Nutzen der Hormonersatztherapie zu informieren. Die Leitlinie empfiehlt allerdings weitere Untersuchungen zu den Risiken der Hormonersatztherapie in Abhängigkeit von Wirkstoffzusammensetzung und Darreichungsform.

Design

Wissenschaftler der Universität Nottingham untersuchten in zwei Fall-Kontroll-Studien, inwiefern sich die verschiedenen Wirkstoffkombinationen und Applikationsformen auf das venöse Thromboembolierisiko der Anwenderinnen auswirken. Dazu identifizierten sie zwei offene Kohorten von Frauen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren. In der ersten Kohorte waren 80 396 Frauen, die zwischen 1998 und 2017 im Alter zwischen 40 und 79 Jahren erstmals eine Venenthrombose oder Embolie erlitten hatten. Die Vergleichskohorte bildeten 391 494 Frauen gleichen Alters.

Hauptergebnisse

Insgesamt hatten sich rund 7 Prozent der Frauen mit einer venösen Thromboembolie und mehr als 5 Prozent der weiblichen Kontrollen innerhalb von 90 Tagen vor dem Ereignis einer Hormonersatztherapie unterzogen. Davon nahmen die meisten Frauen (85% bzw. 78%) die Hormonpräparate in Tablettenform ein. Die orale Darreichungsform war mit einem signifikant erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien verbunden im Vergleich zu Frauen, die keine Hormonpräparate zu sich nahmen (OR 1,58; 95%-KI 1,52 – 1,64).

Dies galt sowohl für die Einnahme von Östrogen-Monopräparaten (1,40; 1.32 - 1.48) als auch für Östrogen-Progesteron-Kombinationen (1,73; 1.65 - 1.81). Konjugierte equine Östrogene allein oder in Kombination mit Medroxyprogesteronacetat waren mit dem höchsten Risiko und Östradiol kombiniert mit Dydrogesteron mit dem niedrigsten Risiko verbunden, eine venöse Thromboembolie zu entwickeln.

Dagegen konnten die britischen Wissenschaftler kein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien bei der Nutzung transdermaler Präparate wie Cremes, Pflaster oder Gel feststellen.

Klinische Bedeutung

Hinsichtlich des Risikos einer venösen Thromboembolie scheint der Studie zufolge die transdermale Darreichungsform die sicherste Art der Hormonersatztherapie bei Wechseljahrsbeschwerden zu sein. Trotzdem wird die Behandlung mit oralen Präparaten von den meisten Frauen in Großbritannien bevorzugt, geben die Studienautoren zu bedenken. Bei Frauen mit erhöhter Thromboseneigung sollte daher gemäß der NICE-Richtlinie eine parenterale Hormongabe präferiert werden.

Finanzierung: Für diese Studie gab es keine externe Finanzierung.