Hoher Blutdruck - eine mögliche Gefahr für die Funktion der Herzklappen

  • JAMA Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein erhöhter systolischer Blutdruck ist möglicherweise ein Risikofaktor für Erkrankungen der Herzklappen.

Hintergrund

Der Wissensstand zu modifizierbaren Risikofaktoren für Herzklappen-Erkrankungen ist den Autoren zufolge unzureichend,. wodurch die Prävention erschwert wird. So gebe es zum Zusammenhang zwischen Blutdruck und Klappen-Erkrankungen nur Beobachtungsstudien. Die Autoren haben daher untersucht, ob Bluthochdruck ein kausal beteiligter Faktor ist.

Design

In die Studie aufgenommen wurden rund 500.000 Männer und Frauen (Alter: 40 bis 96) aus der UK Biobank;  ausgewertet wurden die Daten von knapp 320.000 Personen, zu denen Genom-Daten und Blutdruck-Werte vorlagen. 54 Prozent waren Frauen, das Durchschnittsalter betrug 57 Jahre. Zur Einschätzung des Einflusses des Blutdrucks auf Herzklappen-Erkrankungen wurde die Methode der Mendelschen Randomisierung verwendet, mit der Kausalzusammenhänge ermittelt werden können.

Hauptergebnisse

3570 Personen (1,08%) hatten eine diagnostizierte Herzklappen-Erkrankung:  1491 (0,45%) eine Aortenstenose, 634 (0,19%) eine Sorteninsuffizienz  und 1736 (0,53%) eine Mitralinklappensuffizenz.

Die Berechnungen ergaben für jeden genetisch bedingten Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg eine Zunahme des Risikos für Aortenstenose, Aorten- und/oder Mitralklappeninsuffizienz um 185 Prozent (OR 2,85; 95% CI 1,69-4,78).

Für die einzelnen Klappen-Erkrankungen ergaben sich folgende Werte für die relative Risiko-Zunahme:

  1. Aortenstenose 226 Prozent (OR 3,26; 95% CI 1,50-7,10)
  2. Mitralklappeninsuffizienz 119 Prozent (OR 2,19; 95% CI 1,07-4,47)
  3. Aortenklappeninsuffizienz 159 Prozent (OR 2,59; 95% CI 0,75-8,92)​​​​​​​

Klinische Bedeutung

Wie der Blutdruck zu den Klappen-Erkrankungen führt, ist zwar noch nicht ausreichend geklärt. Unklar ist auch, ob Patienten, deren Bluthochdruck medikamentös gut kontrolliert wird, ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Herzklappen-Erkrankungen haben. Dennoch stützen die Ergebnisse die Primärprävention der Hypertonie. Und obgleich die Studie nicht belegt, dass eine Blutdruck-Senkung vor Klappen-Erkrankungen schützt, können die Ergebnisse dafür herangezogen werden, Hypertonie-Patienten zu erklären, dass eine gute Blutdruck-Einstellung wichtig ist.

Finanzierung: British Heart Foundation, National Institute for Health Research Oxford Biomedical Research Center