Hohe Ansprechraten beim Hodgkin Lymphom mit dem „chinesischen“ PD-1-Inhibitor Sintilimab


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Chinesische Forscher haben mit Sintilimab einen neuen PD-1-Inhibitor entwickelt, mit dem in einer Phase-2-Studie beim rezidivierten oder therapierefraktären Hodgkin-Lymphom hohe Ansprechraten bei akzeptabler Toxizität erreicht wurden. Wenn weitere Studien dies bestätigen, könnte Sintilimab in China und anderen Ländern anstelle der dort nicht verfügbaren Anti-PD-1-Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab zum Einsatz kommen.

Hintergrund

Die Blockade von Kontrollpunkten des Immunsystems (immune checkpoints) wie dem Rezeptor für das „programmed cell death protein 1“ (PD-1) mit Nivolumab und Pembrolizumab wurde in den vergangenen Jahren unter anderem beim Hodgkin Lymphom erfolgreich in die Praxis eingeführt. In China stehen diese Substanzen dafür nicht zur Verfügung. So gelten für die Erstlinientherapie zwar ähnliche Leitlinien wie in Europa, beim relapsierten oder refraktären Hodgkin Lymphom muss man aber meist auf eine Chemotherapie vertrauen, weil Brentuximab vedotin nicht zugelassen und die autologe Stammzelltransplantation oft nicht bezahlbar ist. Vor diesem Hintergrund hat man nun einen „chinesischen“ PD-1-Inhibitor (Sintilimab) entwickelt und getestet.

Design

Berichtet wird über eine noch nicht abgeschlossene Studie der Phase 2 ohne Kontrollgruppe, an der ursprünglich 92 chinesische Patienten mit einem histopathologisch bestätigten, nach 2 oder mehr Therapielinien relapsiertem oder refraktärem, klassischen Hodgkin-Lymphom teilgenommen hatten. Sie erhielten den PD-1-Hemmer Sintilimab in einer Dosierung von 200 mg i.v. im Abstand von jeweils 3 Wochen bis zur Progression, Tod, inakzeptabler Toxizität oder Studienabbruch. Primäres Studienziel war der Anteil der Patienten mit einem objektiven Ansprechen binnen 24 Wochen nach Einschluss des letzten Patienten und die Sicherheit.

Hauptergebnisse

  • Die Patienten waren median 33 Jahre alt und zu 58 % männlich. Zwei Drittel waren im Stadium IV, weitere 31 % in den Stadien 2 und 3. 68% hatten 3 oder mehr Chemotherapien erhalten, 54 % eine Strahlentherapie und 19 % eine autologe Stammzelltransplantation.
  • Nach einem medianen Follow-Up von 10,5 Monaten sprachen 74 Patienten (80,4 %) gemäß dem Urteil des unabhängigen Radiologen-Kommittees auf die Therapie an. In 34 % handelte es sich um komplette Remissionen, 47 % partielle Remissionen und bei 17 % stabilisierte sich die Krankheit. Die mediane Dauer des Ansprechens war noch nicht erreicht, ebenso wenig das progressionsfreie Überleben.
  • Die Patienten hatten nach median 42 Tagen auf die Behandlung angesprochen, bei 77 % war dies bereits beim ersten Scan nach 6 Wochen der Fall.
  • 89 Patienten (93 %) erlitten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Behandlung; 17 Patienten (18 %) solche mit Schweregrad 3 oder 4.

Klinische Bedeutung

Obwohl es sich um eine nicht randomisierte Studie der Phase 2 handelt und die Patienten im Vorfeld weniger wirksame Therapien erhalten hatten, als dies in Europa oder den USA der Fall gewesen wäre, sind die Autoren angesichts der hohen Ansprechraten bei akzeptabler Toxizität der Ansicht, dass Sintilimab eine „neue, effektive und sichere Behandlungsoption“ sein könnte, die in künftigen Leitlinien ihren Niederschlag findet. Zumindest in China.

Finanzierung: Innovent Biologics, Eli Lilly and Company, National New Drug Innovation Programme, und National Key Scientific Programme Precision Medicine Research Fund of China.