Hochsensitiver Troponin-Test: kontrollierte Studie liefert keinen Nutzen-Beleg


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein hochsensitiver Troponin-Test hat sich zwar als empfindlicher erwiesen als ein herkömmlicher Test, den klinischen Verlauf jedoch nicht verbessert: Die Häufigkeit kardiovaskulärer Todesfälle und Herzinfarkte nahm innerhalb von 12 Monaten nicht ab.

Hintergrund

Hochsensitive Troponin-Tests sind treffsichere Tests in der Herzinfarkt-Diagnostik. Sie ermöglichen eine niedrigere Schwelle für die Diagnostik eines Herzinfarktes. Unklar ist allerdings, ob sie auch zu einem besseren klinischen Verlauf beitragen. In der vorliegenden Studie High-STEACS wurde daher geprüft, ob ein solcher hochsensitiver Test (hs-cTnI ) bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom zu einer Reduktion der Herzinfarkt-Rate und kardiovaskulär bedingter Todesfälle beiträgt.

Design

Randomisierte und kontrollierte Studie in zehn Krankenhäusern in Schottland. An der Studie nahmen 48.282 Patienten teil, die sich wegen akuter Brustschmerzen in einem Krankenhaus vorstellten und wegen des Verdachts auf ein akutes Koronarsyndrom behandelt wurden. Verglichen wurden ein hochsensitiver Test (hs-cTnI, geschlechtsspezifische Schwelle, 99. Perzentile) mit einem herkömmlichen Troponin-Test. Die Studie hatte eine verblindete sechs- oder 12-monatige Validierungs- und eine Implementierungs-Phase. Der primäre Endpunkt bestand aus kardiovaskulärem Tod oder Myokardinfarkt innerhalb von einem Jahr. 

Hauptergebnisse

Bei 10.360 (21%) Patienten wurden im herkömmlichenTest oder im hochsensitiven Test abnorme Troponin-Werte festgestellt. Aufgrund des hochsensitiven Tests wurden 1771 (17%) der 10.360 Patienten reklassifiziert.

Ein primäres Endpunkt-Ereignis trat innerhalb von einem Jahr bei 105 (15%) der reklassifizierten 720 Patienten in der Validierungs-Phase auf und bei 131 (12%) von reklassifizierten 1051 Patienten in der Implementierungs-Phase. Die Berechnungen ergaben keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen der Validierungs-Phase und der Implementierungs-Phase (adjustiertes odds ratio: 1,10, 95% CI: 0,75 -1,61; p = 0,620).

Klinische Bedeutung

Das Studien-Resultat ist zwar negativ, schließt aber einen klinischen Nutzen hochsensitiver Troponin-Tests nicht aus. Nach Angaben der Autoren war die Studien-Population deutlich heterogener als erwartet. Erwartet hatten die Autoren, dass hauptsächlich Myokard-Patienten identifiziert werden; aber die Mehrheit der Patienten hatte andere Ursachen für ihren Myokard-Schaden. Dies sei einer der Hauptgründe für den fehlenden Nutzen-Beleg, so die Autoren. Gelungen wäre der Nachweis möglicherweis auch bei einer mehr als 12-monatigen Beobachtungsdauer. Eine Lehre aus der Studie ist den Autoren zufolge die, dass die gewählte Test-Schwelle (99. Perzentile) nicht optimal ist, eine niedrigere sei besser; außerdem sollten grundsätzliche geschlechts-spezifische Schwellen gewählt werden. Denn 83 Prozent der reklassifizierten Patienten waren Frauen. 

Finanzierung: The British Heart Foundation