Hochrisiko-CLL: 88 % vollständige Remissionen mit Ibrutinib/Venetoclax-Kombination

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Kombinationsbehandlung der beiden oralen Wirkstoffe Ibrutinib und Venetoclax erreichte bei Hochrisikopatienten mit Chronisch Lymphatischer Leukämie (CLL) einen wesentlich höheren Anteil kompletter Remissionen und nicht mehr nachweisbarer Resterkrankungen als die Einzelsubstanzen.

Hintergrund

Ibrutinib und Venetoclax sind zwei Wirkstoffe mit unterschiedlichen Mechanismen, die beide zugelassen sind zur Behandlung von Patienten mit CLL. Aus präklinischen Untersuchungen gibt es Hinweise auf eine mögliche Synergie, denen man hier nachgegangen ist.

Design

In dieser, von den Forschern selbst initiierten Studie der Phase 2 erhielten 80 ältere, zuvor unbehandelte Hochrisikopatienten mit CLL zunächst über 3 Behandlungszyklen eine Monotherapie mit Ibrutinib (420 mg/Tag). Anschließend wurde zusätzlich Venetoclax in aufsteigender Dosierung bis zu 400 mg/Tag gegeben; diese Kombination wurde für 24 Zyklen verabreicht.

Ergebnisse

  • Die Patienten waren median 65 Jahre alt. Die Einstufung als „Hochrisiko“ war bei 92 % wegen eines negativen IgHV-Mutationsstatus, Aberrationen im TP53-Gen oder einer chromosomalen 11q Deletionen erfolgt.
  • Nach 12 Zyklen kombinierter Therapie hatten 88 % der Patienten eine komplette Remission und 61 % eine vollständige Remission mit nicht mehr nachweisbarer minimaler Resterkrankung.
  • Auf die Therapie sprachen sowohl ältere Patienten an als auch Zugehörige aller untersuchten Hochrisiko-Untergruppen.
  • Im Labor fanden sich bei 3 Patienten Hinweise auf ein Tumor-Lyse-Syndrom. Ansonsten entsprach das Nebenwirkungsprofil dem von Ibrutinib und Venetoclax.

Klinische Bedeutung

Für beide Wirkstoffe lagen bereits Studien vor, die hohe Ansprechraten dokumentieren, aber nur einen verhältnismäßig kleinen Teil an vollständigen Remissionen. Nun wurde einerseits die Tumorproliferation mit Ibrutinib durch die Hemmung von Brutons Tyrosinkinase gestoppt und die Apoptose mit Venetoclax durch die Inhibition von BCL2 gefördert. „Die Ergebnisse sind beeindruckend“, kommentiert Adrian Wiestner (Bethesda). Sämtliche Patienten haben auf die Kombination angesprochen, fast alle vollständig, und bei den meisten war keine Resterkrankung mehr nachweisbar. Statt einer Überlebenskurve präsentieren die Autoren daher den stetig steigenden Anteil von Patienten ohne Resterkrankung als nochmals strengeres Kriterium, das für die Zulassung eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Finanzierung: AbbVie und andere.