Hochbetagte in stationärer Akutversorgung: gezieltes Training beugt Kräfteverlust vor


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Patienten im Alter über 80 oder 90 Jahre können sicher und effektiv körperlich trainieren. Dies belegt eine kontrollierte randomisierte Studie. Ein physiotherapeutisch begleitetes Training während einer stationären Behandlung beugt dem Verlust von Kraft und Gleichgewichtsempfinden vor.

Hintergrund

Kommen ältere Patienten wegen akuter Erkrankungen ins Krankenhaus, verbringen sie die meiste Zeit liegend im Bett, auch wenn sie grundsätzlich noch mobil sind. Dadurch gehen rasch körperliche Fähigkeiten verloren, die für den Alltag elementar sind, zum Beispiel statisches und dynamisches Gleichgewicht, Propriozeption, Kraft und Ausdauer. Grundsätzlich ist bekannt, dass Physiotherapie dem entgegenwirken kann. Bislang aber sind entsprechende Programme nicht prospektiv randomisiert mit sehr alten Menschen untersucht worden. Diese Lücke schließt eine Studie von Krankenhausärzten einer spanischen Akutklinik.

Design

  • randomisierte, kontrollierte, unizentrische Studie mit 370 geriatrischen Patienten, die akut stationär aufgenommen und für mindestens 8 Tage versorgt werden mussten
  • Alter der Teilnehmer: median 87,3 Jahre (+/- 4,9 Jahre)
  • Randomisierung in zwei Gruppen:
    • an 2 Tagen pro Woche 2 Mal täglich (morgens und abends) jeweils 20 Minuten individuell angepasstes Training von Kraft der oberen und unteren Extremitäten, Balance und Gehen oder
    • konventionelle Begleitung beim Aufstehen und Gehen (Kontrollgruppe)
  • primärer Endpunkt: Vergleich der Änderungen von Barthel-Index (Pflegebedürftigkeit/Selbständigkeit) und Short Physical Performance Battery (SPPB; Kraft, Gleichgewicht, Gehgeschwindigkeit) bei der Entlassung aus dem Krankenhaus zwischen Interventions- und Kontrollgruppe

Hauptergebnisse

Durchschnittlich hatten die Patienten in der Interventionsgruppe 5 Einheiten am Morgen und 4 Einheiten am Abend absolviert. Im Vergleich zu den Teilnehmern der Kontrollgruppe verbesserten sich bei den alten Menschen, die im Krankenhaus systematisch trainiert hatten, sowohl der Barthel-Index, als auch die Punktwerte der SPPB . Durchschnittlich hatten schon 9 Trainingseinheiten einen positiven, statistisch signifikanten Effekt. Und auch die Aufmerksamkeit konnte durch gezieltes Training gesteigert werden.

Klinische Bedeutung
Geriatrische Patienten, die noch bewegungsfähig und kognitiv in der Lage zu einer Physiotherapie sind, sollten möglichst generell im Krankenhaus ein individualisiertes körperliches Training erhalten, so die Autoren. Dieses beugt selbst in hohem Alter einem raschen Schwund der Kräfte bei längeren Liegezeiten vor.

Fina nzierung: öffentliche Mittel