HIV und SARS-CoV-2 – Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier Viren


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

Bereits zu Beginn der Pandemie versuchten Ärzte an COVID-19 Erkrankte mit antiviralen Medikamenten aus der HIV-Therapie zu behandeln. Doch auch wenn beide Viren ein paar Gemeinsamkeiten haben, überwiegen die Unterschiede deutlich.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

  • Bei beiden Viren handelt es sich um so genannte RNA-Viren. Ihr Erbgut besteht aus also aus RNA – und nicht aus DNA, wie bei Tieren, Pflanzen und Bakterien.

  • HIV zählt jedoch zu den so genannten Retroviren, das heißt, das RNA-Genom wird mit Hilfe eines Enzyms namens Reverse Transkriptase in DNA übersetzt und dann in das Erbgut der menschlichen Wirtszelle eingebaut. Diesen Schritt gibt es bei Coronaviren wie SARS-CoV-2 nicht. Daher darf man davon ausgehen, dass ein SARS-CoV-2-Patient nach seiner Genesung geheilt ist. Bei HIV-Patienten verbleibt dauerhaft Virus-Erbgut im Genom der infizierten T-Zellen, weshalb eine Heilung im Regelfall nicht möglich ist. Ausnahmen waren hier zwei Patienten nach Stammzelltherapie.

  • Bei beiden Viren ist das Erbgut in eine Proteinkapsel verpackt.

  • Beide Viren besitzen eine Protease, die im Vermehrungszyklus eine entscheidende Rolle spielt. Aus diesem Grund wurde in Betracht gezogen, COVID-19-Patienten mit Proteasehemmern aus der HIV-Therapie zu behandeln. Die Studienlage dazu ist jedoch bislang eher ernüchternd.

  • SARS-CoV-2 wird durch Tröpfcheninfektion übertragen – HIV nicht.

  • Zum Nachweis beider Viren kommt die PCR-Diagnostik in Frage. Doch während sich HIV auch sehr gut mit Antikörpertests nachweisen lässt, ist die Entwicklung solcher Tests bei SARS-CoV-2 schwieriger. Der Grund dafür ist, dass es weitere Coronavirus-Vertreter gibt, die in der Regel harmlose Erkältungskrankheiten auslösen und in der Bevölkerung weit verbreitet sind. Daher sind Antikörper gegen diese anderen Coronaviren keine Seltenheit. Ein spezifischer Test zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2, muss ausschließen, dass Antikörper gegen andere Coronaviren erkannt werden, was zu falsch positiven Tests führen kann. Daher ist Vorsicht bei unklarer Herkunft von Tests geboten.

  • Derzeit wird weltweit fieberhaft an Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 gearbeitet. Derartige Bemühungen waren bei HIV seit der Entdeckung Anfang der 1980er Jahre bislang erfolglos. Ein Grund dafür ist, dass HIV sehr variabel ist, selbst innerhalb eines einzelnen Patienten. Zudem mutiert das Virus extrem schnell. SARS-CoV-2 mutiert deutlich seltener als HIV, was die Suche nach einem Impfstoff erfolgversprechender macht.