HIV-Suchtest in den Zeiten der PrEP


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) geht mit verzögerter Serokonversion bei einer Durchbruchsinfektion einher.
  • Dies kann je nach Testformat Probleme beim Nachweis der Infektion bereiten.
  • Von Selbsttests unter PrEP ist abzusehen.
  • Empfohlen werden Tests der 4. Generation sowie - bei begründetem Verdacht auf eine Inferktion oder nach Notfällen wie Nadelstichverletzungen – ein Nachweis von HIV-RNA.

 

Die PrEP stellt eine große Herausforderung an die HIV-Testung dar. Für eine zuverlässige Diagnostik ist eine gezielte Wahl des Testformats notwendig.

HIV-Tests wurden seit den ersten serologischen Testsystemen der 1980er Jahre stetig weiter entwickelt, um die Sensitivität zu erhöhen und gleichzeitig den Zeitraum zwischen Infektion und Nachweisbarkeit zu verkürzen. Bei den ersten serologischen Tests handelte es sich um indirekte Nachweisverfahren: Sie detektierten IgG-Antikörper im Patientenserum, die sich gegen HIV-Lysate aus Zellkulturen richteten. Verunreinigungen mit zellulären Antigenen führten zu hohen falsch-positiven Raten. Bei HIV-Tests der zweiten Generation kamen daher synthetische Virusantigene zum Einsatz, wodurch sich die Testspezifität verbessern ließ. Ausserdem konnte eine verbesserte Sensitivität erzielt werden, und das diagnostische Fenster wurde von mehr als 12 Wochen auf 6 Wochen nach Infektion verkürzt.

Anfang der 1990er Jahre reduzierten Tests der 3. Generation die Zeitspanne weiter: Auf 3-4 Wochen nach der Infektion. Ein separat durchzuführender p24-Antigentest erlaubte einen serologischen Nachweise frühestens 2–3 Wochen nach der Infektion. Diese Komponente wurde in die Tests der vierten Generation integriert. Allerdings verzichten Tests der 3. und 4. Generation auf den Nachweis von anti-p24-Antikörpern. p24 wird während der Virusreplikation in großen Mengen gebildet und ist in der Diagnostik in den ersten vier Wochen einer Infektion nachweisbar und kann im weiteren Verlauf wieder „verblassen.“

 

Einfluss einer frühen ART

Der Trend zu einem frühen Therapiebeginn bereits während der akuten Infektion hat Einfluss auf die Nachweisbarkeit der Infektion. So kam es in einer Studie, bei der die Teilnehmer bereits 19 Tage nach der Exposition eine ART begannen, bei fast der Hälfte der Probanden (48%) nicht zur Serokonversion. In dieser Studie waren die Tests der 3. Generation denen der 4. Generation nach Therapiebeginn überlegen.

Unter PrEP ist die Serokonversion im Falle einer Durchbruchsinfektion verzögert. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die PrEP nicht gleichermaßen negativ auf die Zuverlässigkeit der Tests der 4. Generation auswirkt wie eine frühe ART. Noch gilt es jedoch zu beobachten, wie häufig das p24-Antigen-Signal unterhalb der Nachweisgrenze von Tests der 4. Generation liegt.

 

Kein Selbsttest unter PrEP

Auf die Sensitivität von Tests der 2. und 3. Generation hat die verzögerte Serokonversion unter PrEP einen signifikanten Einfluss. Diese Tests liegen den freiverkäuflichen HIV-Selbsttests zugrunde. Die Sensitivität dieser Tests ist unter PrEP vermindert. Im Vergleich zu laborgestützten Testen wird bei Selbsttests ein deutlich geringeres Probenvolumen eingesetzt, was ebenfalls zur verminderten Sensitivität beiträgt. Von Selbsttests unter PreP ist unbedingt abzuraten.

Um eine Durchbruchsinfektion unter PrEP nachzuweisen, sollte gemäß den Leitlinien alle drei Monate ein Test der vierten Generation durchgeführt werden. Außerdem sollte bei klinischem Verdacht auf eine Durchbruchsinfektion unter PrEP ein Nachweis von HIV-RNA angestrebt werden. Gleiches gilt für Notfallsituationen, etwa nach Nadelstichverletzungen bei Personen, die unter PrEP stehen.