HIV: Sexualverhalten und Drogengebrauch als Risikofaktoren für Koinfektion mit HCV


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Koinfektionen mit Hepatitis-C sind bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, ein ernsthaftes Problem.

  • Risikofaktoren für eine Koinfektion sind ein risikobehaftetes Sexualleben sowie Drogengebrauch.

  • Die Frage nach Analsex ohne Kondomen mit wechselnden Partnern ( condomless anal intercourse with non-steady partners, nsCAI) reicht nicht aus, um das individuelle Risiko einzuschätzen.

 

Hintergrund

Eine Infektion mit dem Hepatitis C-Virus ist bei gleichzeitiger HIV-Infektion mit einem größeren gesundheitlichen Risiko verknüpft: Die Leber-Fibrose schreitet schneller fort und es besteht ein höheres Risiko für Erkrankungen der Leber sowie eine erhöhte Sterblichkeit im Zusammenhang mit einer Lebererkrankung. Eine Koinfektion mit HCV ist unter HIV-positiven MSM  in den letzten 20 Jahren zum ernsthaften Problem geworden. Um das individuelle Risiko in dieser Gruppe einzuschätzen, wird bislang lediglich abgefragt, ob nsCAI praktiziert wird. Die vorliegende Studie untersucht, ob, dieses Kriterium ausreicht und welches Risikoverhalten in dieser Gruppe möglicherweise außerdem zur Übertragung Verbreitung von HCV beiträgt.

 

Studiendesign

Eine Gruppe von 118 HIV-HCV-koinfizierten Männern aus der Swiss HCVree Studie wurde nach ihrem Sexualverhalten und Drogengebrauch befragt.

 

Hauptergebnisse

  • 72 (61%) der 118 Probanden gab an, im letzten Jahr nsCAI gehabt zu haben.

  • Viele berichteten zusätzlich von weiteren Verhaltensweisen, die das Risiko erhöhen, beispielweise Drogenkonsum bei 52 (44%) der Männer.

  • Unter den Männern, die zugaben, Drogen zu konsumieren, nutzten 44 (37%) Drogen im Zusammenhang mit Sex, und 17 (14%) gaben an, Drogen zu injizieren.

  • Die unangepasste Odds Ratio (OR) (95% CI) für Risikoverhalten betrug

    • 2.02 (0.80, 5.62) für Fisting,

    • (1.49, 37.12) für injizierenden Drogengebrauch,

    • Drogengebrauch im Zusammenhang mit Sex.

  • Die Sensitivität von nsCAI als Inktikator für ein indiiduelles Risiko variierte in Relation zu anderen risikobehafteten Verhaltensweisen (66.7–88.2%)

 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Studie unterstützen die bisherige Annahme, dass MSM, die eine Koinfektion mit HIV und HCV haben, häufig ein ausgeprägtes Risikoverhalten im Bezug auf sexuelle Praktiken und Drogengebrauch zeigen. Allerdings zeigt sich auch, dass die alleinige Frage nach nsCAI die Gruppe von Männern ausschließt, die ein anderweitiges Risikoverhalten zeigen. Die Empfehlung lautet daher, Männer mit entsprechendem Sexualverhalten und/oder Drogengebrauch in ein HCV-Screening aufzunehmen.

 

Finanzierung

Swiss HIV Cohort Study