HIV: Risikofaktoren für kognitive Einschränkungen bei Infizierten


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernaussagen

  • Der Anteil der HIV-Patienten mit kognitiven Einschränkungen ist rückläufig.

  • Ein erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen haben HIV-Infizierte mit frühen opportinistischen Infektionen des zentralen Nervensystems, mit Depressionen sowie Patienten, die ihre ART nicht verlässlich einnehmen.

 

Hintergrund

Bei HIV-Infizierten kommt es häufig zu kognitiven Einschränkungen wie Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite oder Probleme bei der Entscheidungsfindung. Frühere Studien legen sogar nahe, dass solche kognitiven Einschränkungen bei bis zu 50 Prozent aller HIV-infizierten Personen auftreten. Die vorliegende Studie untersucht die Häufigkeit von kognitiven Einschränkungen bei Betroffenen aus der Schweizerischen HIC-Kohortenstudie (SHCS)

Design

Bei den Teilnehmern der SHCS wird das Auftreten kognitiver Einschränkungen halbjährlich erfasst, indem die Patienten Fragen zu Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit und Entscheidungsfindung beantworten. Ausgewertet wurden die Daten von 11.029 Personen über einen Zeitraum von mindestens 2,5 Jahren (5 Fragebögen) in den Jahren 2013 bis 2017. Verglichen wurden Teilnehmer mit und ohne kognitive Einschränkungen. Außerdem wurden mithilfe statistischer Tests Gruppen herausgearbeitet, bei denen die kognitiven Einschränkungen einen ähnlichen Verlauf genommen haben, um diese näher zu analysieren.

 

Hauptergebnisse

  • Der Anteil der HIV-Patienten mit kognitiven Einschränkungen ist deutlich zurückgegangen: von 19,6% im Jahr 2013 auf 10,7% im Jahr 2017.

  • HIV-Infizierte mit hohem Vorkommen an neurokognitiven Einschränkungen unterschieden sich im Krankheitsverlauf von Personen mit geringerem Vorkommen solcher Einschränkungen:

    • In der Gruppe der stark betroffenen Patienten traten signifikant häufiger früher opportunistischen Infektionen des zentralen Nervensystems auf (OR=3,7, p

    • Personen dieser Gruppe hatten eine schlechtere Medikamententreue (OR=2,8, p

    • Die Betroffenen dieser Gruppe litten häufiger an Depressionen (OR=1,9, p

 

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt deutlich, dass kognitive Einschränkungen im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion rückläufig sind. Dies lässt sich sehr wahrscheinlich auf die wirkungsvolle ART sowie einen frühen Therapiebeginn zurückführen. Gleichzeitig identifiziert die Studie Risikogruppen für kognitive Einschränkungen. So zeigte sich, dass frühe Erkrankungen des zentralen Nervensystems die Wahrscheinlichkeit für kognitive Einschränkungen erhöhen. Besonders häufig betroffen sind außerdem HIV-Patienten mit mangelnder Therapietreue bei der ART, sowie Infizierte mit Depressionen. Bei dieser Personengruppen sollte das Auftreten kognitiver Einschränkungen besonders sorgfältig überwacht werden.

 

Finanzierung

Schweizerische HIB Kohortenstudie/Swiss HIV Cohort Study