HIV-Risiko durch Verletzung mit gebrauchten Spritzen?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

  • HIV-Infektionen durch Nadelstichverletzungen sind äußerst selten und kommen am ehesten im Gesundheitsbereich vor.
  • Das HIV-Risiko bei einer Stichverletzung mit weggeworfenem Spritzbesteck ist gering.
  • Gegeben ist jedoch ein Risiko einer Infektion mit Hepatitis B oder C.

Immer wieder werfen Drogenkonsumenten ihre gebrauchten Spritzen achtlos weg. Wie groß ist das Risiko, dass sich zum Beispiel spielende Kinder, die sich an den Nadeln verletzen, mit HIV infizieren? Das magazin.hiv der deutschen Aidshilfe fasst den Kenntnisstand zusammen:

  • Stichverletzungen durch weggeworfenes Spritzbesteck sind durchaus realistisch.
  • Am häufigsten treten Nadelstichverletzungen jedoch in Gesundheitsberufen auf, etwa als Unfälle bei der Blutentnahme.
  • In diesem Bereich ist es auch am ehesten möglich, dass es zu einer HIV-Infektion durch die Stichverletzung kommt. Das Blut an den Spritzen ist noch frisch.
  • HIV-Infektionen durch Nadelstichverletzungen sind trotzdem selten: Weltweit sind 100 Fälle dokumentiert. In den USA wurden von Beginn der HIV-Pandemie in den 1980er Jahren bis 2013 insgesamt 58 HIV-Infektionen durch berufsbedingte Nadelstichverletzungen registriert.
  • Fälle von HIV-Übertragungen durch Stichverletzungen mit weggeworfenen Spritzen sind bislang keine bekannt.
  • Ein Grund für das geringe Risiko: Angetrocknete Blutreste in den Spritzen werden bei kurzem Kontakt nicht gelöst. Ein theoretisches Risiko besteht nur, bei versehentlicher oder absichtlicher Injektion von Blut aus der Spritze.
  • Ein höheres Risiko besteht jedoch für eine Infektion mit Hepatitis B oder C: Hepatitis C Viren bleiben auch in getrocknetem Blut noch wenige Tage aktiv, Hepatitis B-Viren sogar über Wochen.

Handlungsempfehlungen bei Nadelstichverletzung mit weggeworfenen Spritzen:

  • Prüfen, ob die Stichverletzung oberflächlich ist oder ob Blut austritt. Falls die Stichwunde blutet, ist es sinnvoll, sie mindestens eine Minute weiter bluten zu lassen, um potentielle Erreger auszuschwemmen.
  • Wunde mit Wasser und Seife reinigen, gegebenenfalls auch Desinfektionsmittel oder desinfizierende Salben verwenden.
  • Zeitnah eine Arztpraxis aufsuchen und möglichst die Spritze in einem stichsicheren Behälter mitnehmen. Ist noch genügend Blut in der Kanüle, lässt sich prüfen, ob HI- oder Hepatitis-Viren vorhanden sind.
  • Impfstatus prüfen und bei dieser Gelegenheit gegebenenfalls aktualisieren.