HIV-PrEP: Jeder fünfte Anwender in Deutschland bezieht seine Medikamente nicht über ein Rezept


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Eine Befragung von Männern, die Sex mit Männern haben und Dating-Apps nutzen, hat ergeben, dass 15,9% der aktiven PrEP-Anwender die Medikamente auf inoffiziellen Wegen beziehen.

  • Unter den ehemaligen PrEP-Anwender gaben 28,3% an, mit der Einnahme aufgehört zu haben, weil sie Schwierigkeiten hatten, die Medikamente zu besorgen.

Hintergrund

Seit 2016 ist in Deutschland die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zur Vermeidung einer HIV-Transmission zugelassen. Bislang werden die Kosten für die Medikamente in Deutschland in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Der hohe Preis für die Medikation stellt daher ein gewisses Hindernis für die Anwendung der PrEP dar. Einige Anwender sind dazu übergegangen, Medikamente außerhalb einer medizinischen Betreuung, etwa über das Internet zu beziehen. Dies ist jedoch nicht ohne Risiko, da fehlende Informationen dazu führen können, dass die PrEP nicht korrekt angewendet wird. In einer Online-Befragung hat das Robert Koch-Institut nun erstmals Daten zu den Bezugsquellen der PrEP in Deutschland erhoben.

Design

Im Rahmen der PrApp Studie wurden bislang Daten von 2.005 aktuellen und 212 ehemaligen PrEP-Anwendern ausgewertet. Die Studie wendet sich an Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und die Dating-Apps benutzen. Benutzer solcher Apps werden in einem Werbebanner zur Studienteilnahme aufgefordert. Diese Einladung ist mit einem Link zur Onlinebefragung verknüpft. Zusätzlich liegen in so genannten Checkpoints auch Flyer mit Hinweis auf die Studie aus.

Die Teilnehmer wurden zu folgenden Aspekten befragt:

  • Gründe für Anwendung von PrEP;

  • Bezugsquellen der PrEP;

  • Erfahrungen mit PrEP;

  • Gründe mit PrEP aufgehört zu haben bzw. mögliche Hinderungsgründe, sie in Anspruch zu nehmen.

Hauptergebnisse

  • 80,4% Prozent der aktiven PrEP-Anwender gaben an, Medikamente auf dem offiziellen Weg erhalten zu haben, d.h. entweder mit einem Privatrezept aus der Apotheke oder im Rahmen einer klinischen Studie.

  • Die anderen aktiven PrEP-Anwender bezogen ihre PrEP auf dem informellen Weg:

    • 9,9% über das Internet;

    • 3,2% bei einer Auslandsreise;

    • 2,8% über Freunde.

  • Die ehemaligen PrEP-Anwender gaben verschiedene Gründe dafür an, die Medikamente abgesetzt zu haben:

    • 45,3% gaben an, dass sie Schwierigkeiten mit der Einnahme hatten, also entweder die Medikamente nicht regelmäßig einnahmen, unter Nebenwirkungen litten oder Angst vor Langzeitnebenwirkungen hatten.

    • 28,3% hatten die Einnahme abgebrochen weil sie Schwierigkeiten hatten, die PrEP-Medikamente zu besorgen.

    • Sieben Teilnehmer gaben an, die PrEP nicht mehr anzuwenden, da sie HIV-positiv getestet wurden. In welchem Zusammenhang der HIV-Status mit der PrEP-Einnahme steht, ist jedoch nicht geklärt.

Klinische Bedeutung

PrEP-Anwender, die ihre Medikamente auf inoffiziellen Wegen beziehen, haben ein höheres Risiko, keine medizinische Begleitung für die Einnahme in Anspruch zu nehmen. Daher versäumen sie möglicherweise wichtige Untersuchungenn, etwa einen HIV-Test oder eine Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). Gerade der HIV-Test vor Beginn der PrEP-Einnahme ist von entscheidender Bedeutung: Die PrEP stellt bei Personen mit einer unerkannten HIV-Infektion eine unzureichende Behandlung dar und kann zu Resistenzentwicklung führen. Eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse könnte die Bereitschaft erhöhen, die PrEP auf offiziellem Weg zu beziehen. Um mögliche Veränderungen bei den Bezugsquellen und der Anwendung zu erfassen, läuft im April und Mai 2019 eine zweite Befragungswelle.

Finanzierung

keine Angaben