HIV-Präexpositionsprophylaxe: Knochendichte durch Tenofovir-Einnahme geringfügig minimiert

  • AIDS Research and Human Retroviruses

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Laut der iPrEx-Open-Label-Extension-Studie (OLE) kann das zur HIV-Präexpositionsprophylaxe in Kombination mit Emtricitabin eingesetzte Tenofovir die Knochendichte nur geringfügig minimieren. Bei Menschen mit einem erhöhten Osteoporoserisiko könnte jedoch ein Wechsel auf andere Kombinationsprodukte ratsam sein.

Hintergrund

Zur PräExpositionsProphylaxe (PrEP) nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament ein, um sich vor HIV zu schützen. Das Medikament verhindert, dass sich das Virus nach dem Eindringen in den Körper vermehren kann. Das Medikament Tenofovirdiproxil/Emtricitabin (Truvada® oder Generika, Abkürzung TDF/FTC) ist zur PrEP bei Erwachsenen mit hohem HIV-Risiko zugelassen. 

TDF-basiertes PrEP wurde kürzlich auch für Jugendliche >35 kg zugelassen, allerdings werden aufgrund der potenziellen Knochentoxizität alternative PrEP-Wirkstoffe und alternative Dosierungsstrategien getestet. So empfiehlt die International AIDS Society (USA) insbesondere Cisgender-Männern und Transgender-Frauen die intermittierende und gut wirksame PrEP. Bisher wurde jedoch noch in keine Studie nachgewiesen, dass eine intermittierende PrEP das Risiko einer knochen- oder nierenbedingten Toxizität senkt.

iPrEx-Open-Label-Extension-Studie

In der groß angelegten iPrEx-Open-Label-Extension-Studie (OLE) (n=1.225) haben Forschende der University of California nun erstmals in einer Teilstudie den langzeitlichen Zusammenhang von Tenofovir-Exposition und Knochendichte bei Cisgender-Männern und Transgender-Frauen untersucht.

An der Knochen- und Stoffwechseluntersuchung nahmen 7 von 11 iPrEx-OLE-Standorten in fünf Städten teil (Kapstadt (Südafrika), Chiang Mai (Thailand), Lima (Peru), Rio de Janeiro (Brasilien), San Francisco (Kalifornien) und Chicago (Illinois)).

Die Teilnehmer an der Knochen- und Stoffwechseluntersuchung (n=290; Durchschnittsalter: 31 Jahre) wurden einer Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie (DXA) unterzogen, um die Knochendichte an der Hüfte und Lendenwirbelsäule (L1 – L4) bei Beginn der Studie und alle 24 Wochen bis zum Ende der Studienteilnahme zu bestimmen. Die mediane Zeit zwischen Studienende der ursprünglichen placebokontrollierten Studie, iPrEx, und der OLE-Registrierung betrug 79 Wochen.

Tenofovir-Langzeiteinnahme hat nur geringen Einfluss auf die Knochendichte

Dabei konnten die Forschenden ermitteln, dass die mittlere prozentuale Knochendichteänderung bei hochadhärenten PrEP-Nutzern einen unerwartet niedrigen Rückgang der Knochendichte zeigte. Personen mit geschätzter täglicher Adhärenz zeigten eine Abnahme der Knochendichte der Wirbelsäule um 1,2 % und eine Abnahme der Knochendichte der Hüfte um 0,5 %.

Die Forschenden spekulieren, dass dieser Rückgang für die meisten PrEP-Nutzer keine klinische Signifikanz aufweist. Für diejenigen mit dem höchsten Frakturrisiko, die einen längeren Einsatz von PrEP planen, könnten allerdings alternative PrEP-Strategien in Betracht gezogen werden.

Finanzierung: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (National Institute of Health)