HIV-Postexpositionsprophylaxe: Überarbeitete Deutsch-Österreichische Leitlinie


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Die Bandbreite der Medikamente, die für eine PEP zur Verfügung stehen, wurde erweitert.

  • Die Handlungsempfehlungen bei einer möglichen HIV-Exposition eines Patienten durch medizinisches Personal, etwa während einer Operation, wurden konkretisiert.

  • Neu ist außerdem, dass eine PEP bei einer sicheren oder wahrscheinlichen außerberuflichen Exposition erstattungsfähig ist.

Hintergrund

Bereits seit 1989 wird nach HIV-Exposition im beruflichen Alltag die Einnahme von Zidovudin empfohlen. Mittlerweile gibt es eindeutige Hinweise auf die Wirksamkeit einer PEP. Die Leitlinie der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft wurde auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet. Die wichtigste Änderung betrifft die Empfehlung für die Wirkstoffauswahl. Darüber hinaus präzisiert die überarbeitete Leitlinie die Indikation für eine PEP.

Wichtigste Punkte und Neuerungen

  • Die Liste der empfohlenen Medikamente für die PEP wurde erweitert. Während 2013 nur Raltegravir an erster Stelle stand, besteht jetzt die Wahl zwischen Raltegravir und Dolutegravir sowie als Alternative Darunavir/Ritonavir oder Lopinavir/Ritonavir jeweils in Kombination mit Emtricitabin/Tenofovir (TDF/FTC).

  • In der Schwangerschaft stehen Raltegravir und Lopinavir/Ritonavir zur Verfügung – in Kombination mit TDF/FTC die einzige empfohlene Option.

  • Das durchschnittliche Risiko einer HIV-Infektion nach perkutaner Exposition mit Blut von HIV-Infizierten mit einer messbaren Viruslast, liegt bei etwa 0,3%. In diesem Fall wird eine PEP empfohlen. Bei einer Viruslast

  • Bei massiver Inokulation (> 1 ml) von Blut und anderen Körperflüssigkeiten infizierter Personen, wird eine PEP empfohlen.

  • Bei oberflächlicher Verletzung oder Kontakt von Schleimhaut oder geschädigter Haut mit Flüssigkeit mit potenziell hoher Viruslast, sollte eine PEP angeboten werden. Liegt die Viruslast unter ist eine PEP nicht indiziert.

  • Eine PEP ist nicht indiziert, bei perkutanem Kontakt mit Flüssigkeiten wie Urin oder Speichel. Keine Insikation besteht außerdem bei Kontakt solcher Flüssigkeiten mit Haut und Schleimhaut, sowie bei Kontakt von Blut mit inakter Haut.

  • Empfohlen wird eine PEP bei versehentlicher Transfusion HIV-haltiger Blutkonserven sowie Nutzung von HIV-kontaminiertem Injektionsbesteck. Nicht indiziert ist eine PEP bei Verletzung an altem, weggeworfenem Spritzenbesteck.

  • Bei ungeschütztem, insertivem oder rezeptivem vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr mit einer bekannt HIV-positiven Person hängt die Empfehlung von der Viruslast der Indexperson ab.

  • Bei ungeschützem Verkehr kann eine PEP je nach Risikoeinschätzung empfohlen werden. Unklar ist derzeit die Empfehlung nach einer Vergewaltigung.

  • Nicht indiziert ist eine PEP nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne bekanntes Risiko, sowie nach oralem Verkehr mit der Aufnahme von Sperma mit einem sicher oder wahrscheinlich infizierten Partner.

  • Konkretisiert wurden die Empfehlungen bei einer Exposition eines Patienten durch HIV-infiziertes Personal, etwa bei einer Operation. Die exponierte Person muss in diesen Fällen über das Ereignis und seine möglichen Folgen aufgeklärt werden. Eine PEP muss innerhalb von 24h, besser 2h nach dem Ereignis erfolgen. Außerdem gilt es, EDTA-Blut des infizierten HIV-positiven Mitarbeiters zu sichern, um später den Ursprung der Infektion, die Viruslast zum Zeitpunkt der Infektion sowie vorhandene Resistenzen nachweisen zu können. Außerdem ist EDTA-Plasma des betroffenen Patienten zu sichern, um den Ausgangsstatus feststellen zu können.

  • Neu ist außerdem, dass eine PEP jetzt auch bei außerberuflicher Exposition erstattungsfähig ist.

K linische Bedeutung

Die Leitlinie gibt konkrete Handlungsanleitungen für ein PEP, um eine gesicherte Indikationsstellung, Beratung und Therapie zu gewährleisten. Mit dem Ziel der Infektionsprävention muss die Möglichkeit einer PEP Bestandteil des ärztlichen Aufklärungsgespräches bei Menschen mit einer HIV-Infektion sein. Sie muss außerdem in der Bevölkerung bekannter werden. In Gesundheitsberufen ist die Aufklärung unverzichtbarer Bestandteil der Lehrinhalte in Aus- und Weiterbildung, um HIV-Infektionen bei Arbeitsunfällen zu vermeiden.