HIV-Medikamente gegen SARS-CoV2?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernaussagen

  • SARS-CoV2 besitzt genau wie SARS-CoV und MERS-CoV eine Protease, die ein Schlüsselenzym im Replikationszyklus ist. Diese zu hemmen ist eine naheliegende Option für die Therapie.
  • Bei SARS-CoV und MERS-CoV ließen sich mit dem HIV-Medikament Lopinavir zumindest teilweise Erfolge erzielen.
  • Bei SARS-CoV2 lässt die Datenlage derzeit nicht auf einen positiven klinischen Effekt schließen.
  • Eine große spanische Studie prüft derzeit den Einsatz von Darunavir mit Chloroquin. Der Darunavir-Hersteller bezweifelt jedoch den therapeutischen Nutzen des Proteaseinhibitors.

Auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen das neue Coronavirus SARS-CoV2 ist immer wieder auch von HIV-Medikamenten die Rede. Der Grund: SARS-CoV2, SARS-CoV und MERS-CoV, die alle zu den Beta-Coronaviren zählen, besitzen eine Protease, die ein Schlüsselenzym im Replikationszyklus des Virus ist. Was liegt näher, als diesem mit einem Protease-Hemmer entgegenzutreten? Christian Hoffmann, Infektionsmedizinisches Zentrum Hamburg, fasst zusammen, was Proteasehemmer im Kampf gegen Covid-19 möglicherweise können und was nicht.

Hoffnungsträger Lopinavir?

Zu den Hoffnungsträgern zählte zunächst Lopinavir, ein Proteasehemmer, der in Labor- und Tierversuchen sowohl gegen MERS-CoV als auch gegen SARS-CoV antivirale Effekte zeigte und einen Post-Entry-Schritt im Replikationszyklus blockierte. Fallkontrollstudien weisen auch auf eine Wirkung bei Patienten hin, die mit SARS-CoV und MERS-CoV infiziert waren. Eine retrospektive Studie aus Hong-Kong mit 75 SARS-Patienten (44 davon sofort, 31 erst bei klinischer Verschlechterung behandelt), die mit 634 SARS-Patienten ohne derartige Behandlung gematcht wurden. Demnach hatten die sofort behandelten Patienten eine niedrigere Mortalität (2,3% versus 15,6%) und eine niedrigere Intubationsrate (0 versus 11,0%). Außerdem schien die Viruslast durch die Lopinavir-Behandlung schneller zu sinken. Bei der späteren Behandlung zeigten sich derartige Unterschiede nicht.

Zweifelhaft ist jedoch, ob sich mit Lopinavir auch bei der Behandlung von SARS-CoV2 Erfolge erzielen lassen. Kleinere Fallstudien und Einzelfallbeschreibungen lassen nicht auf einen positiven Behandlungseffekt schließen. Dies gilt auch für die Behandlung mit Umifenovir. Unklar bleibt bei diesen Fallserien jedoch ob die behandelten Patienten möglicherweise stärker erkrankt waren. Eine größere, kontrollierte und offen randomisierte Studie mit 199 hospitaisierten Patienten ergab keinen klinischen Nutzen über die Standardversorgung hinaus. Auch die Viruslast wurde nicht nachweisbar beeinflusst.

Ist Darunavir die bessere Wahl?

Darunavir ist bei HIV-Infektionen effektiver als Lopinavir. Ob dies auch für die Behandlung von Infektionen von SARS-CoV2 zutrifft, untersucht eine spanische Studie, die am 18. März angelaufen ist. Geplant ist, 3.040 Infizierte mit Darunavir und Chloroquin direkt nach positiver Testung zu behandeln. Der Darunavir-Hersteller bezweifelt jedoch die Wirksamkeit des Medikaments für die Behandlung von SARS-CoV2 – zumindest in der Dosierung, die in der HIV-Therapie zum Einsatz kommt.