HIV: Lassen sich AIDS-definierende Erkrankungen anhand des Virusgenoms vorhersagen?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

Die vorliegende Studie befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen AIDS-definierenden Erkrankungen und der genetischen Variabilität von HI-Viren. Sie kommt zu dem Schluss, dass genetische Faktoren des Virus mit darüber bestimmen, welche opportunistischen Erkrankungen bevorzugt auftreten.

Hintergrund

Bei fortgeschrittener HIV Infektion mit einer Immunschwäche können  opportunistische Infektionen und Tumoren auftreten, die als AIDS-definierende Erkrankungen bezeichnet werden. Die vorliegende Studie untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen den bevorzugt auftretenden Koinfektionen und genetischen Variationen im HIV-Genom besteht.

Studiendesign

Aus Virussequenzen von 11.915 Patienten aus der Datenbank für genotypische Resistenztestung der Swiss HIV Cohort Study (SHCS) sowie Sequenzen aus der Los Alamos Datenbank wurden nach dem Maximum-Likelihood-Modell phylogenetische Bäume erstellt, um die evolutionäre Beziehung zwischen den Virusvarianten der Probanden darzustellen. Dann wurde geprüft, ob sich die AIDS-definierenden Erkrankungen der Studienteilnehmer im phylogenetischen Baum näher verwandten Virusvarianten zuteilen lassen, oder ob sie sich zufällig verteilen.

Hauptergebnisse

  • Koinfektionen mit Hepatitis C (HCV), Hepatitis B (HBV), Syphilis, Cytomegalievirus und Tuberkulose gruppieren sich signifikant auf dem phylogenetischen Baum. Diese Erkrankungentraten demnach vorwiegend bei Patienten mit bestimmten, näher miteinander verwandten Virusvarianten auf.

  • Opportunistische Erkrankungen wie das Kaposi Sarkom gruppieren sich ebenfalls.

  • Nichtübertragbaren Erkrankungen verteilten sich ebenfalls nicht zufällig auf dem phylogenetischen Baum, sondern schienen sich auf bestimmte näher miteinander verwandte Virusvarianten zu konzentrieren. In dem meisten Fällen hielt die Signifikanz einer multivariablen Analyse jedoch nicht stand.

  • Psychiatrische und neurokognitive Probleme gruppierten sich in der multivariablen Analyse weniger deutlich. Aber das Risiko für psychische oder neurokognitive Probleme war signifikant größer, wenn andere Patienten mit Virusvarianten, die dem selben phylogenetischen Zweig angehören, ebenfalls betroffen waren.

Klinische Bedeutung

Die Studie untersuchte erstmals auf der Populationsebene, ob das Auftreten von Koinfektionen und nichtübertragbaren opportunistischen Erkrankungen in einem Zusammenhang mit der genetischen Variabilität der HI-Viren steht. Aufgrund der Ergebnisse liegt es nahe, dass genetische Faktoren des Virus mit darüber bestimmen, welche AIDS-typischen Erkrankungen bevorzugt auftreten.

Finanzierung

Keine Angabe